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Am 4. November. 737
nicht verlasse, handle überaus cdelmüthig. Darauf faßte er den
Entschluß zu bleiben; machte sein Testament, und brachte Gott das
Opfer seines Lebens. Die erste Veranstaltung, die auf seinen Rath
gemacht wurde, war, daß die Kranken von den Gesunden abgeson-
dert, und außer die Stadt in ein großes Gebäude gebracht wurden.
Der Anfang wurde gemacht mit den Armen, die ohnehin in den
Häusern der Einwohner übcrlästig waren. Jenes Gebäude ward,
wie groß es auch war, bald angefüllt. Das Elend dieser Unglück-
lichen war fürchterlich, denn es gebrach ihnen an gar Allem. Der
Heilige sah's, zerfloß in Thränen, eilte nach Hause, schickte, was
immer nur in seinem Palaste entbehrt werden konnte, ja sogar sein
eigenes Bett dahin, und nahm, weil die königlichen Beamten und
die Vorsteher der Stadt über die Versorgung derselben sich nicht
verständigen konnten, die Verpflegung von vierzehnhlmdcrt Menschen
auf sich, die er durch volle sechs und dreißig Tage ernährte, nach
denen endlich die Stadt die Sorge über das gregorianische Laza-
reth, — so nannte man jenes Haus — übernahm. Gleich An-
fangs des großen Jammers, ließ Carl paffende Schriften abdrucken
und vertheilen, durch welche die Bewohner der Stadt zur Buße auf-
geweckt werden sollten; denn er war vollkommen überzeugt, daß das
große Unglück eine Züchtigung ihrer Ausgelassenheit sey. In glei-
cher Absicht stellte er im Oktober, da die Pest noch fortwüthete,
Bußprozessionen an. Er selbst erschien an der Spitze der ganzen
Geistlichkeit bei denselben mit entblößten Füßen, und einem großen
Stricke, gleich einem Verbrecher, um den Hals, und eröffnete das
Bußfest mit der Weihe und der Ausstreuung der Asche, wie sie am
Aschermittwoche gewöhnlich ist. Bei jeder der drei Prozessionen pre-
digte er mit einer ungewöhnlichen Rührung, die einen unglaublichen
Eindruck machte.
Das gregorianische Lazarett) versah er mit Geistlichen und Wär-
tern , die er aus jenem Diözesanthcil kommen ließ, der in die
Schweiz sich erstreckte, weil er, nicht ohne Grund, meinte, der feste
Körperbau der dortigen Einwohner würde der Ansteckung länger und
leichter widerstehen. Wirklich war ein Priester darunter, Leonard de
Leonardis, der so wenig Bcsorgniß hatte, angesteckt zu werden, daß
er sich zu einem an der Pest dahin Sterbenden in dasselbe Bett
legte. Ob es dieser, oder ein anderer gleich unerschrockener Priester
war, von dem der Erzbischof selbst Folgendes bezeugt, mag dahin
gestellt seyn: „Die Todtengräber hatten des Abends eine Menge
Leichname in eine Grube zusammengeworfen. Um Mitternacht ging
ein Priester mit dem heiligen Sacramente vorüber; bei dem Scheine
des Lichtes, das ihm vorgetragen wurde, bemerkte er eine Bewe-
gung; er blieb stehen, sah, daß einer derselben sich auf die Kniee
Zweiter Band. 47
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen