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740 Die heilige Katharina von Ricci :c.
Ricci, Beichtvater war. Erst vierzehn Jahre alt, empfing sie das
Ordenskleid.
Mit glühendem Eifer strebte sie nach geistiger Vollkommenheit,
eben so freudig, als pünktlich, befolgend die Regeln des Ordens
und die Vorschriften der klösterlichen Zucht. Gott läuterte ihren
Sinn durch harte Prüfungen. Zwei Jahre lang erduldete sie von
Krankheitsanfallen große Schmerzen, die durch den Gebrauch der
Arzneien nur noch vermehrt wurden. Dadurch ward erprobt ihre
Geduld, und tiefer gegründet ihre Demuth; da fühlte sie mehr, als
je zuvor, daß der Geist des Menschen nur Ruhe finde in Gott und
Jesus Christus. Die Leiden Jesu wurden der angenehmste Gegen-
stand ihrer Betrachtung, und sie freute sich, einigen Antheil an der-
selben nehmen zu können. Wie durch ein Wunder erlangte sie end-
lich il, Gesundheit. Aus Erfahrung überzeugt, daß der Geist desto
freier sey, jemehr das Fleisch gezüchtigct werde, übte sie nun fort-
während die strengsten Abtödtungcn in Wachen, Fasten und andern
Leibeskasteiungen. Zwei bis drei Tage in der Woche, fastete sie bei
Wasser und Brod, und nicht selten brachte sie ganze Tage ohne alle
Nahrung zu. Sie beschwerte ihren Leib mit einem eisernen Buß-
gürtel , und peinigte ihn vielfältig durch harte Geißelstleiche. Nicht
wsniger war sie beeifert, auch in ihrem Innern alles sinnliche We-
sen ganz zu ertödten durch vollkommenen Gehorsam, durch unwan-
delbare Sanftmuth, durch ausharrende Geduld, und durch eine De-
muth, welche, jedes Lob und Auszeichnung scheuend, nur unbekannt
und ungeachtet seyn, immer nur das Geringste empfange», und daS
in den Augen der Welt Verächtlichste thun wollte. Sie strebte, ihr
Herz von der Anhänglichkeit an die Welt ganz zu befreien, auf daß
es durch die geheiligten Bande der innigsten Liebe mit Gott ganz
vereiniget werde. In der Glut des Gebethes erlangte sie jenen ho-
hen Geschmack an den him:ulischen Wahrheiten, jenen Geist der
gänzlichen Lostrennung von sich selbst, und von allem Irdischen;
jene brünstige Liebe zu Jesus in seiner Armuth und in seinem Lei-
den , die einen herrlichen Glanz sogar über jede ihrer äußerlichen
Handlungen verbreiteten.
Ihrer großen Vorzüge wcgen wurde Katharina, »och sehr jung,
zur Novizenmeisterin, und bald darauf zur Subpriorin ernannt.
Segcnsuoll theilte sich ihr Geist den angehenden Ordensschwestern
mit, die alle sie zärtlich verehrten, und sich glücklich schätzten, unter
ihrer geistlichen Leitung zu stehen. In einem Alter von fünf und
zwanzig Jahren wurde sie zur beständigen Priorin de5 Klosters er-
nannt. Als solche regierte sie ihre Genossenschaft mit wahrer müt-
terlicher Liebe, welche von Schwachheit und unerleuchtetem Eifer
gleich weit entfernt ist, und wirkte dabei mächtig durch das eigene
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen