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Am 21. Juni. 749
Gutes thun." Alle schieden von ihm mit Beweisen der zärtlichsten
Rührung. Voll Freude trat er nun in die, von dem Novizenmei-
ster Johannes Piocator, ihm angewiesene Zelle, und rief mit dem
Propheten aus: „Hier ist der Ort meiner Ruhe, da will ich woh-
nen, wcil ich ihn auserwählt habe." Den Ordensgcsetzen gemäß
mußte er in den ersten Wochen, von den andern Novizen abgeson-
dert, allein leben. Gewissenhaft befolgte er hier auf's Genaueste
alle Vorschriften. Sein bereitwilliger und schneller Gehorsam be-
wies, daß er schon lange sich in der Selbstüberwindung geübt habe.
Nie fragte er, warum er dieses und jenes thun oder unterlassen
solle; denn er war überzeugt, daß er ohne die Tugend des Gehor-
sams das Verdienst aller seiner Handlungen verlieren würde. Seine
Demuth war so tief gegründet, daß er sich immer als den Letzten
unter Allen ansah, sich der niedersten Verrichtungen immer herzlich
freute, und es sehr schwer, und nur aus Gehorsam ertrug, daß sei-
n.'r Schwächlichkeit hie und da eine Begünstigung oder eine Aus-
nahme von der Strenge der Gesetze gestattet wurde. Dieser Gesin-
nung blieb er getreu, so lange c>, lebte. Die Abtödtung seiner
Sinne war so unbedingt, daß er der äußerlichen Dinge, wenn sie
nicht auf die Ehre Gottes Bezug hatten, gar nicht zu achten schien.
(5r kannte nicht einmal das Innere des Spcistsaalcs, in dem er
doch alle Tage bei Tisch erschien, und auch nicht die Verzierungen
der Kapelle und Altäre, wo er seine Gebethe verrichtete. Bei Tische
vermied er Alles, was der Sinnlichkeit schmeicheln könnte. Nie hörte
er Gespräche über weltliche Gegenstände an. Er selbst redete we-
nig, und nie etwas, was auf seine Person Bezug hatte, indem er
sich nicht würdig achtete, daß die Menschen an ihn dächten, oder
von ihm redeten. Sein Gebeth war anhaltend, und immer voll
Inbrunst. Ganz erglüht war sein Andachtscifer bei dem Empfang
d>'s heiligsten Altarssacramentes, und bei der Betrachtung des Lei-
dens Jesu. Oft ward seine Seele durch außerordentliche innerliche
Tröstungen in das höchste Wonnegefühl versetzt, welches sich entwe-
der durch süße Thränen heiliger Freude, oder durch gänzliche Ver-
zückung offenbarte. Zärtlich war auch seine Verehrung gegen die
ftligste Jungfrau, die er in seiner Kindheit schon zur besonderen Für-
sprecherin erwählt hatte.
Beim Anfange seines Noviziats ward er von innern Leiden,
zumal von großer Trostlosigkeit, hart geprüft. Sie dienten ihm
aber nur dazu, sein Herz noch vollkommener zu reinigen, und die
Ruhe seines Gemüthes noch fester zu gründen. Mit Ferdinand,
dem Markgrafen von Castiglione, hatte sich seit der Zeit, als Aloi-
sius das ältcrliche Haus verlassen hatte, eine große Veränderung
zugetragen. Tief waren die frommen Erinnerungen seines Sohnes
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen