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750 Der heilige Aloisius :c.
in sein Herz gedrungen. Er ward ein anderer Mensch; zog sich
zurück von der Welt; entsagte sogar dem Spiele, dem er sonst lei-
denschaftlich ergeben war, und litt mit großer Geduld die Schmer-
zen , welche die Gebrechen seines Körpers ihm verursachten. Nach
langer Vorbereitung legte er mit vieler Zerknirschung eine allgemeine
Beicht ab. Darüber ward die gottselige Markgräfin hoch erfreut.
Als seine Krankheit bedenklich wurde, ließ er sich das Kruzifix drin:
gen, vor dem Aloisius so oft gebethet, so oft Thränen vergossen
hatte. Auch ihm ward die Gnade thränenvoller Rührung. Oft
faßte er das Kruzifir mit beiden Händen, küßte es, und rief: „Herr,
erbarme dich Meiner!" Eines Tages sagte er: „Ich weiß wohl,
wo meine Thränen herrühren: sie kommen her von meinem Aloisius.
Er hat mir von Gott die Gnade erbethen, daß er nun mein Herz
mit diesem heilsamen Schmerz erfüllt." Er schied endlich mit gro-
ßer Seelenruhe von der Welt, zur allgemeinen Erbauung seines Ho-
fes. Alois, der erst drei Monate in Rom war, erfuhr den Tod
seines geliebten Vaters, betrauerte ihn in tiefem Schmerz; pries aber
auch Gott für die Gnaden, die er dem Kranken und Sterbenden er-
wiesen hatte.
Nachdem Aloisius die erste Probe bestanden hatte, kam er in
das Kollegium der Professoren, wo die ehrwürdigen Männer beisam-
men wohnten. Er freute sich ungemein, an dem Beispiele derselben
sich erbauen zu können. In diesem Hause war Hieronymus Platus
Vorsteher der Novizen. Dieser erleuchtete und fromme Mann ge-
wann den Jüngling ungemein lieb. Die Gottesfurcht, der Gehor-
sam, die Bescheidenheit, das liebenswürdige Betragen des jungen
Novizen machten den größten Eindruck auf ihn. Er war nach dem
Tode des Aloisius der Erste, welcher Alles sorgfältig sammelte, was
man immer von diesem heiligen Jünglinge wußte, und gab dessen
Lebensbeschreibung heraus. So pünktlich befolgte Aloisius in diesem
Hause die vorgeschriebene Regel, daß er einmal, als sein Vetter,
der Patriarch Gonzaga, in der Sakristei mit ihm sprechen wollte,
zu diesem sagte: „Ich habe in dieser Stunde keine Erlaubniß zu
sprechen." Der Patriarch, hoch erfreut über solchen Gehorsam, ließ
selbst um Erlaubniß bei den Obern bitten. — Oft ward er von
den Ordensvätern in die Spitäler und Gefängnisse mitgenommen.
Da war's sein größtes Vergnügen, den Elenden jeden Beistand zu
erweisen, sie zu belehren und zu trösten. Den Kranken ordnete er
die Betten, reichte ihnen die Arznei, und erwies ihnen alle andern
Dienste heiliger Liebe. Das Gleiche that er seinen kranken Mitbrüdern,
die täglich zu besuchen, er sich von den Obern die Erlaubniß erbe-
ten hatte. Mehrere seiner Genossen, die in ihrem Berufe lau wa-
ren, brachte er durch kluge Leitung und durch sein Gebeth zu grö-
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen