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Am 21. Juni. 751
ßerem Eifer, und bewirkte, daß in den Erholungsstunden von den
Lehrern und Novizen, statt der gelehrten Diskurse, die den Geist
anstrengen, Gespräche von Gott und göttlichen Dingen, die das Ge-
müth erheitern, geführt wurden. Dadurch ward das Wachsthum
des innern Lebens im Kollegium ungemein befördert.
Johannes Piscator, den Aloisius als seinen Vater verehrte,
wurde, seine geschwächte Gesundheit wieder herzustellen, nach Neapel
geschickt, und in gleicher Absicht von Aloisius und zwei andern No-
vizen begleitet. Auf der Reise war's des Aloisius größter Trost,
dem geistvollen Piscator recht nahe zu seyn, und mit ihm sich
nach Herzenslust unterhalten zu können. Er dankte Gott für dieses
ihm unschätzbare Glück, und sagte in der Folge, daß er durc^ die-
sen Umgang mit seinem geistlichen Führer mehr gelernt habe, als
sonst in mehreren Monaten zu Hause. — Wie sehr werden durch
diesen heiligen Jüngling beschämt so viele Junge und Alte, die den
Umgang mit Bösen und Leichtsinnigen, der Gesellschaft der From-
men vorziehen! —
Zu Neapel setzte Aloisius das Studium der Philosophie fort,
und machte darin großen Fortgang, obgleich er durch Kränklichkeit,
zumal durch fortwährendes Kopfweh, viel zu leiden hatte. Nie
hörte mau ihn klagen, und nie sah man ihn grämlich oder trübsin-
nig. Auch hier, wie sonst liberall, diente er Gott in Allem und
von ganzem Herzen. Nach einem halben Jahre kam er nach Rom
wieder zurück, wo er bald darauf in einer öffentlichen Disputation
einen Beweis seiner Kenntnisse ablegte, der viele Bewunderung er-
regte, und große Lobeserhebungen zur Folge hatte; allein diese wa-
ren seinem demüthigen Sinne vielmehr zur Kränkung als zur Freude;
denn sein Wille war ganz geläutert, und fand in Gott allein sein
Vergnügen.
Nach verflossenen zwei Probejahren legte er im Jahre 1587
die Gelübde ab, und empfing bald darauf die Tonsur, uud die vier
niedern Weihungen. Nun gehörte er schon unter die Zahl der Geist-
liche», und strebte mit größtem Eifer nach jenen Tugenden, welche
einem Geistlichen geziemen.
Zwischen dem Herzog von Mantua, Vincentius Gonzaga und
Rudolph, dem Bruder Aloisius, war ein schwerer Zwist entstanden
wegen der Herrschaft Salphurin, welche Horaz von Gonzaga dem
Herzoge vermacht hatte; Rudolph aber fin sich rechtlich behaupten
zu können glaubte. Aloisius ward als Vermittler berufen. Er
reiste, mit Erlaubniß seiner Ober», zuerst nach Mantua, dann nach
Castiglione, und war so glücklich, nicht bloß die obwaltenden Ir-
rungen auszugleichen, sondern auch eine vollkommene Aussöhnung
zu bewirken. Ueberdas wurde ihm der große Trost zu Theil, seinen
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen