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Am 17. Mai. 75,,^
vielfältig geschah es, daß c>i die Flamme heiliger Liebe, die sein In-
neres durchglühte, nicht zu verbergen vermochte. Er empfand, er
fühlte, daß die Tröstung, welche den frommen Seelen durch den
heiligen Geist mitgetheilt wird, unendlich größer ist, als alle Wer?
gnügungen der Welt. Durch sie löset sich, so zu sagen, das Herz
in ein lauteres Freudengefühl aus, das es nicht zu verbergen ver-
mag. — So viele außerordentliche Gnaden empfing Paschalis, als
den Preis seiner Geduld in den innerlichen Prüfungen, seiner bestän-
digen Selbstoerläugnung und der vollkommenen Ertödtung seiner
Sinnlichket; denn der Thau himmlischer Tröstungen träufelt nicht in
eine Seele, die den Freuden der Welt nachgeht.
Obgleich selbst arm, wollte der He,lige dennoch auch die Ar-
men unterstützen. Er entzog sich einen Theil seines Verdienstes, um
den Unglücklichen bcizustehen, und theilte mit den Hungrigen die
wenigen Lebensmittel, die man ihm auf das Feld schickte. So lieb
ihm seine Lebensart auch war, so fand er doch Schwierigkeiten, die
ihn auf den Gedanken brachten, sie zu verlassen. Sein auch noch
so großer Fleiß konnte es nicht verhüten, daß nicht die Ziegen, die
er unter seiner Aufsicht hatte, bald da, bald dort, Beschädigung an-
richteten. Dieß machte ihm Kummer, weil er sich verpflichtet hielt,
für den angerichteten Schaden zu stehen. Er übernahm eine andere
Heerde; allein da zeigten sich neue Anstände, die ihm große Besorge
niffe verursachten. Einige seiner Gefährten hatten die Gewohnheit,
zu fluchen, mit einander ;u zanken, ja sogar bisweilen sich zu schla-
gen. Weil seine Ermahnungen, in denen er das Schändliche ihres
Betragens ihnen vorstellte, fruchtlos blieben, faßte er, um keinen
Antheil a» ihren Fehlern zu haben, den Entschluß, von ihnen sich
zu trennen. Er verdoppelte sein Gebeth, und die andern gottseligen
Uebungen, um den göttlichen Willen in Ansehung seines künftigen
Berufes zu erkennen. Seine Wahl fiel auf den Klosterstand. Ei-
nigen, denen er s»'in Vorhaben mittheilte, und die ihm riethen, in
ein reich begütertes Kloster zu gehen, antwortete er: .)Ich bin arm
geboren, und daher entschlossen, in der Armuth und in der Buße
zu leben und zu sterben.'- Erst zwanzig Jahre alt, verließ er sei-
nen Herrn und sein Vaterland, und begab sich in das Königreich
Valencia zu dem Kloster der Barfüßer-Franziskaner, welches nicht
weit von der Stadt Montfort in einer Wüste sich befand. Weil
seine Aufn^limc in's Kloster nicht sogleich Statt hatte, trat er in
den Dienst benachbarter Pächter, um ihre Heerde zu weiden. Sein
frommer und bußfertiger Wandel ward bald bekannt und bewundert.
Man nannte ihn nun nicht mehr anders, als: »den heiligen Schä-
fer." Endlich entsagte er der Welt, und trat im Jahre 1564 in
das eben. erwähnte Franziskanerkloster, und zwar als Lajenbruder,
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen