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Am 5. März. 765
cher der trotzige Taikosama sie leben ließ, nur einer besondern Lei:
tung der göttlichen Vorsehung zuschreiben kann.
Die zu Ozaka und Meako in Verhaft Genommenen, deren
Namen man dem Kaiser eingeschickt hatte, standen schon bereit, die
Marterkrone zu empfangen. Taikosama hatte auch den Befehl ge-
geben , daß man alle Christen, welche die Kirchen dieser beiden
Städte besuchten, in ein Verzeichniß bringen solle, worauf das Ge-
rücht sich verbreitete, daß man Alle, welche den Göttern des Reiches
zu opfern sich weigern würden, todten werde. Dadurch ward ein
so großes Verlangen nach der Marterkronc angefacht, daß selbst die
Abgöttcrer darüber in Erstaunen geriethen. Sehr viele — Vor:
nehme und Niedere — drängten sich ^u den Missionären hin, um
ja dieses Heils nicht verlustig zu werden. Die Frauen vom Stande
arbeiteten mit ihren Dienstmagdcn Tag und Nacht an prächtigen
Kleidern, damit sie den Tag ihres Todes, den sie nie anders als
den Tag ihres Triumphes nannten, nur recht glänzend begehen
möchten. Sogxir Kinder beciferten sich, in die Verzeichnisse der
Gläubigen aufgenommen zu werden, und bezeigten eine ängstliche
Sorgfalt, dem Tode nicht zu entkommen. Alle diese Stürme legten
sich indessen bald wieder; denn es kam die Nachricht, daß man bloß
die gefangenen Missionäre von Ozaka und Mcako, sammt den Chri:
sten, dic sich damals bei ihnen befunden haben, hinrichten werde.
Auf den erstatteten letzten Bericht befahl der Kaiser, diesen Gefan:
genen die Nasen und Ohren abzuschneiden, sie auf Karren durch die
Städte Mcako, Ozaga und Sakai, zum Schrecken für die Andern,
schimpflich herumzuführen, und hernach zu Nangasaki zu kreuzigen.
Der Gefangenen waren vier und zwanzig an der Zahl: drei japa:
nische Jesuiten, daru.iter ein Priester, — Paul Miki, und zwei No:
vizen — Johann Soan, und Jakob Kisai; sechs Franziskaner —
Petrus Baptista, Martio von Auquicsca, und Franz Blanko, alle
drei Priester, und drei Laienbrüder — Philipp de la Casas, Fran;
Parilha, und Gonsalvus Garcia; die übrigen waren Hausgenossen
odcr Latccheten der Franziskaner; unter ihnen auch drei Knaben,
welche bei den Franziskanern Altarsdienste verrichtet hatten. Der
jüngste aus diesen, der Ludwig hieß, war erst zwölf Jahre alt, und
man nahm deßhalb Anstand, ihn in das Verzeichniß der zum Tode
Verurtheilten aufzunehmen; er aber bezeugte darüber eine solche Be-
trübniß, und erhob ein so lautes Klagegeschrei, daß man ihn end-
lich zu den andern aufschrieb. Bald hernach wollte ihn ein heidni:
scher Herr auf freien Fuß seyen. Allein der Knabe sprach zu ihm:
»Spare dein Mitleiden für dich selbst, und denke lieber, wie du dir
die Gnade der heiligen Taufe erwerbest, ohne welche ou einem ewi-
gen Elende nicht entgehen wirst."
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen