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Der heilige Joseph von Leomssa,
aus dem Kapuzinerordcn.
(Am 19. Februar. Im römisä'm He,!!>ic!n>r>^cil'l'n,ss!' an, 4.
Dieser Heilige, bei der Taufe Euphramius genannt, erdielt sei-
nen Beinamen von der kleinen Stadt Leonissa im Kirchenstaate, in
der er im Jahre 1,">56 geboren wurde. Die erste Erziel>u»q ver-
dankte er seinen frommen Eltern, Johann Dcsiderio und Franziska
Paulina, welche angesehene Bürger des Stadtchens waren, ihm aber
durch frühzeitigen Tod entrissen wurden. Ein Bruder seines Vaters,
der zu Viterbo öffentlicher ^edrer war, nahm sich des Waisen an,
und sorgte für dessen weitere Bildung. Der Jüngling entsprach
vollkommen allen Erwartungen durch seine Fortschritte in den Wis-
senschaften sowohl, als in der Tugend. Da aber der Oheim ihn
verehelichen wollte, weigerte er sich dessen, und offenbarte seinen un-
abänderlichen Entschluß, der Welt zu entsagen, und Gott allein in
jungfräulichem Stande zu dienen. Der Zudringlichkeit der Verwand-
ten, die seine Verehelichung wünschten, zu entgehen, verfügte er sich
nach Assisi in das Kloster des heiligen Franziskus. Weder Schmei-
cheleien noch Drohungen vermochten ihn, seinen Entschluß zu ändern.
Er legte die feierlichen Gelübde ab, und verwechselte seinen bisheri-
gen Namen mit dem Namen Joseph. Mit glühendem Eifer strebte
er nach Vollkommenheit, und ward seinen Mitbrüdern bald zum er-
baulichen Vorbilde der Demuth, des Gehorsams, der Sanftmuth,
der Reinigkeit und der strengen Selbstverläugnung. Er entzog sich
freiwillig Vieles von dem, was nach der Ordensregel ihm gestattet
war. Eben so freudig als pünktlich überließ er sich der Anordnung
und dem Willen der Obern, deren Befehl er fast immer knieend
empfing. Er glaubte überzeugt zu seyn, daß das, was er nach sei-
nem eigenen Willen thue, ihm nie recht von statten gehe. Die ge-
ringsten Geschäfte waren ihm die angenehmsten, und sein demüthiger
Sinn sträubte sich gegen jede Auszeichnung. Der Kraft seines Ge-
bethes traute er so wenig zu, daß er sich fortwährend der Fürbitte
seiner Brüder empfahl. All sein Thun ward geheiliget durch from-
men Aufblick zu Gott, dessen Andenken sich aus seinem Herzen nie
verlor. Er fastete viel und strenge, schlief auf Brettern, wobei ein
hölzerner Block ihm zum Kopfkissen diente, und kreuzigte sein Fleisch
durch verschiedene andere Mittel harter Abtödtung. >Er sah sich als
den Größten der Sünder an, und pflegte zu sagen: '„Ich bin zwar
nicht in gräßliche Laster gefallen, was ich aber nur der Barmherzig-
keit Gottes verdanke; allein ich habe doch so schlecht der Gnade
entsprochen, daß ich eher, als jedes andere Geschöpf verlassen zu
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen