Page - (000771) - in Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres - Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
Image of the Page - (000771) -
Text of the Page - (000771) -
Am 19. Februar. 769
werden verdient habe. In diesem Gefühle bußfertiger Demuth war
es ihm jedesmal großer Trost, wenn er Schmerz, oder Unbild, oder
Verachtung leiden konnte. Sein Eifer in Kreuzigung des alten
Menschen mit allen seinen Gelüsten, hatte seine Seele für jene
außerordentliche Gnaden vorbereitet, welche der göttliche Geist den
Heiligen in den Uebungen des Gebethes und der Betrachtung mit-
theilt. —
Als von seinen Obern das Predigtamt ihm übertragen wurde,
widmete er sich demselben mit unglaublicher Anstrengung; denn das
Heil seiner Mitmenschen lag' ihm so nahe, als sein eigenes am Her-
zen. Er predigte sehr oft mehr, als einmal, in einem Tage, wo- ,
bei er gemeiniglich ein Kruzifix in der Hand hielt. Seine Feucr-
worte erschütterten die Herzen seiner Zuhörer, erfüllten diese mit heil-
samen Schrecken, und entstammten jene mit heiliger Liebe. Eben
so unermüdet war er, durch Privatunterricht zu ermähnen, zu ra-
then , zu trösten, und in der Religion des Heils die Unwissenden,
zumal die Kinder, zu unterweisen. Das Vertrauen, in dem er
stand, und die unbegränzte Liebe, die sein Hcrz erfüllte, führte ihn
zu den Krankenbetten, in die Spitäler und in die Gefängnisse,
um auch an diesen Stätten des menschlichen Elendes göttliches
Licht in die Finsterniß, und himmlischen Trost in die zerschlagenen
Gemüther zu bringen. Gerne gab er den Armen und Kranken sein
eigenes Brod zur Erquickung. Eindringend und kräftig sprach er
für sie die Herzen der Reichen an, und bewirkte dadurch nicht
bloß große Erleichterung den Einzelnen, sondern auch die bessere
Einrichtung mancher Spitäler und anderer wohlthätiger Anstalten,
bei denen er noch lange nach seinem Tode in gesegnetem Andenken
blieb. —
Im Jahre 1587 wurde Joseph von Leonissa von seinen Obern
nach Constantinopel geschickt, auf daß er dort in der Vorstadt Pera
seine herrlichen Gaben, zum Heile der Rechtgläubigen verwende.
Dieses that er mit einem wahrhaft apostolischen Eifer, insbesondere
widmete er sich mit heldcnmüthiger Liebe dem Dienste der Galeeren-
sclaven — selbst zur Zeit einer fürchterlichen Pest, von der er end-
lich auch ergriffen wurde. Allein Gott sah gnädig auf seinen Die-
ner, und schenkte ihm das Leben zum Heile vieler Seelen. Mehr
als je, strebte er sein Gemüth in fortwährender Vereinigung mit
Gott, durch inniges Gebeth und heilige Betrachtung, denen er im-
mer auch einen großen Theil der Nacht opferte, zu'erhalten, und
dadurch erlangten seine Predigten und Privatunterweisungen eine
Salbung, daß er mehrere Muhamedaner bekehrte, unter denen auch
ein Pascha war. Die Muhamedaner geriethen darüber in Wuth,
und verfolgten ihn mit dem bittersten Hasse. Zweimal warfen sie
Zweiter Vand. 49
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen