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772 Die heilige Rosa von Lima :c.
die Mutter sowohl als die Geschwister, deren sie zehn hatte, sehr
erbittert; sie überhäuften sie fortwährend mit den härtesten Vorwür-
fe», und quälten sie auf mancherlei Weise, — ja sogar mit Schlä-
gen ward sie mißhandelt. Schweigend duldete sie Alles, verdoppelte
ihren Fleiß bei den Arbeiten, die Ehrerbietung gegen die Mutter,
die Liebe gegen die Geschwister, und empfahl Gott das Anliegen ih-
res Herzens im Gebethe.
Um diese Zeit ward zu Lima das Kloster der heiligen (5lara
gegründet, und Rosa, selbst von dem Erzbischofe, dem heiligen Tu-
ribius, welchem ihre Gottseligkeit, sowie der Entschluß, in einem
Ordensstande Gott zu dienen, bekannt war, eingeladen, in dasselbe
sich aufnehmen zu lassen. Sie war dazu nicht abgeneigt, obgleich
sie, nach dem Beispiele der Katharina von Siena, in den Domini-
kanerorden zu treten, bei sich beschlossen hatte. Vertrauensvoll sichte
sie zu Gott, daß er sie nach seinem heiligen Willen führe; und sieh!
der ganz unerwartete Widerstand ihrer Mutter und Großmutter ver-
hinderte ihren Eintritt in den Orden der Llarissinnen. Die Mutter
gab vor, sie wegen des Hauswesens nicht entbehren zu können, und
die kranke Großmutter wollte sie nicht entlasten wegen der liebevol-
len Pflege, welche Rosa ihr leistete. Nach vielen harten Prüfungen
wurden alle Schwierigkeiten durch die Standhaftigkeit der heiligen
Rosa besiegt; denn sie empfing das Gewand der Schwestern des
dritten Ordens des heiligen Dominikus, nach welchem sie, in der
festen Ueberzeugung, daß es Gottes Willen sey, so sehnlich ver-
langte. —
Aus der auf den 30. April gegebenen Geschichte der heiligen
Katharina von Siena, ist bekannt, daß die Mitglieder dieser Or-
densklasse , obgleich durch einerlei Gelübde verbunden, und einerlei
Regel beobachtend, nicht in klösterlicher Gemeinschaft lebten. Rosa
blieb im älterlichen Hause, unterzog sich jeder Arbeit, diente Allen,
als wäre sie die geringste von Allen, beobachtete fortwährend stren-
ges Stillschweigen, übte sich in jeder Art harter Abtödlung, hielt
ihren Geist stets versammelt im Andenken an Gott, und bethete,
so oft bei Tag eine Zeit dazu übrigte, und immer auch mehrere
Stunden der Nacht; wandelte in dcmuthsvoller Selbstverachtung,
und war immer hoch erfreut, wenn sie um des Namens Jesu willen
leiden konnte.
Durch ihr anhaltendes Bitten brachte Rosa es dahin, daß ihr
im älterlichen Hause ein finsteres, dumpfes Kämmerlein überlassen
wurde. In diesem pflegte sie des vertrautesten Umganges mit Gott,
von oem sie mit vielen außerordentlichen Gunstbezeugungen, und mit
den süßesten Tröstungen ihres Geistes begnadiget wurde. Wohl
ward sie auch durch Trockenheit und Geistesdürre vielfältig geprüft;
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen