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776 Der heilige Franziskus von Sales :c.
ger Seclcnangst. Bci einem herzlichen Gebethe, in welchem er die
göttliche Mutter vor ihrem Bildnisse um ihre Fürbitte anflehte, ward
die fürchterliche O.ual beendiget. Ruhe und Heiterkeit kehrten in
seine Seele zurück.
Nachdem Franzistus sechs Jahre zu Pans verweilt und da
seine Studien vollendet hattt' , wurde er von seinem Vater zuriickbc-
rufen und nach Padua geschickt, um unter dem berühmten l^niido
Pancirolus die Rechte zu studiren. Da wählte er sich den Jesuiten
Possevin zum Gewisscnsrathe und zum Führer auf der Bahn der
geistlichen Wissenschaften. (5'r schrieb sich selbst eine bestimmte 5,'e-
bensordnung vor, verlor nie aus seiner Seele den Gedanken an die
Gegenwart seines Gottes, dem er in Allem zu gefallen strebte, den
er bei jeder Handlung um seine Gnade anflehte. Mitten unter den
zahllosen Reizungen arger Verführung bewahrte er seinen Leib und
seine Seele rein und unbefleckt.
Eine gefährliche Krankheit gab ihm Gelegenheit, seine gänzliche
Ergebung in den Willen Gottes auf eine glänzende Weise zu erpro-
ben. Die Aerzte gaben die Hoffnung seiner Genesung auf. Alle,
die ihn kannten, waren darüber tief bekümmert; er allein blieb ru-
hig , und erwartete mit freudiger Sehnsucht den seligen Augenblick,
der ihn zur Anschauung Gottes bringen würde. Auf die Krage sei:
ncs bestürzten Hofmeisters: was nach seinem Tode mit seiner deiche
geschehen solle? antwortete er: ,,Man gebe ihn den Schülern der
Arzneikunde zum Zerlegen. Ich würde mich glücklich schätzen, wenn
ich, nachdem ich in meinem Leben unnütz gewesen bin, der Mensch:
heit nach meinem Tode einigen Vortheil gewähren könnte." Wider
alles Erwarten erhielt ihn Gott am Leben, und er ward bald wie:
der so hergestellt, daß er seine Studien wieder fortsetzen konnte.
Endlich empfing er mit großem Ruhm seiner gründlichen Kenntnisse
die Doktorwürde. Auf Befehl seines Vatero machte er nun eine
Reise durch Italien, auf der er allenthalben, zumal in Rom, die
heiligen Orte mit erglühter Andacht besuchte. Zurückgekehrt nach
Saooyen, wurde er auf dem Schlosse Thuilc von den Seinigen mit
unaussprechlicher Freude empfangen. Wer immer den eben so from-
men als geschickten jungen Mann, der noch nicht volle fünf und
zwanzig Jahre alt war, kennen lernte, gab ihm Beweise großer Vereh-
rung. Der Bischof von Genf, Claudius von Granicr, und Anton
Faure, nachmaliger Präsident.des Senats von Chambery, erfreuten
ihn mit ihrer aufrichtigen Freundschaft.
Nach dem Willen des Vaters sollte Franziskus, als der Erst-
geborne der Familie, sich verehelichen. In dieser Absicht hatte der Graf
für ihn eine reiche Braut ausersehen, und von dem Herzoge von
Savoyen eine Rathsstelle bei dem Senate zu Chambery erhalten.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen