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Am 29. Jänner. 777
Allein der Heilige schlug beides aus, wagte es aber nicht, dem Va-
ter seine Absicht, in den geistlichen Stand zu treten, zu eröffnen.
Auf seine Bitte that es, nachdem auch der Hofmeister sich dessen
weigerte, sein Verwandter, Ludwig von Sales, Kanoniker der Kirche
von Genf. Nach langem Widerstände gab endlich der alte Graf
seine Einstimmung. Wider seinen Willen mußte Franziskus die eben
erledigte Propststclle bei der Kirche zu Genf annehmen, die Ludwig
von Sales ohne Vorwissen vom Papste für ihn verlangt und er-
halten hatte. Sobald er die Weihe des Diakonats empfangen hatte,
übertrug ihm der Bischof das Prcdigtamt, das er mit bewunde-
rungswürdigem Erfolge verwaltete. Er war ernst und bescheiden,
hatte eine starke und angenehme Stimme, einen kraftvollen und leb-
haften Vortrag; aber ohne Prunk und Ziererei, und sprach immer
aus der Fülle seines ,Herzens mit himmlischer Salbung. Er lernte
mehr zu den Füßen des Gekreuzigten, als in den Büchern, über-
zeugt , daß ein Vcrkündiger des Evangeliums keine Früchte hervor-
bringen werde, wenn er nicht ein Mann des Gebethes sey. Beim
Empfange der Priesterweihe, zu der er sich mit erglühtem Eifer vor-
bereitete , ward die Fülle des heiligen Geistes über ihn ausgegossen.
Täglich entrichtete er das hochheilige Opfer mit brünstiger Andacht,
und hörte dann die Beichten Aller an, die durch das heilige Sacra-
ment der Buße mit Gott sich aussöhnen wollten. Er ging oft auf
die Dörfer hinaus, um jenen Theil der Hecrde Jesu Christi zu un-
terrichten , der nur zu oft in einer tiefen Unwissenheit seiner Pflich-
ten dahinlebt. Durch seine Frömmigkeit, Uneigcnnützigkeit, und seine
Liebe zu den Kranken und Armen gewann er Aller Herzen, und das
allgemeine Vertrauen des Volkes. Seine unwandelbare Sanftmuth,
die er durch lange und schwere Uebung sich eigen gemacht hatte —
denn er war von Natur lebhaft und zum Zorne geneigt — konnte
durch keinen Widerspruch getrübt werden. Ein Jahr nach empfan-
gener Priesterweihe führte er zu Annecy eine Bruderschaft ein, deren
Mitglieder sich verbindlich machten, d,c Unwissenden zu unterrichte»,
die Kranken und Gefangenen zu trösten, die Entzweiten zu versöh-
nen, und dadurch die Klagen vor Gericht, die gewöhnlich der christ-
lichen Nächstenliebe so nachtheilig sind, zu vermeiden.
Am segensvollsten wirkte der heilige Franziskus Salesius im
Kampfe gegen die Irrlehre Calvins. Mehr als siebcnzig tausend
Seele» entriß er dem Verderben dieser Sekte. An diesem großen
Werke hatte seine Sanftmuth den vorzüglichsten Antheil.
Karl Emanucl, Herzog von Savoyen, gelangte im Jahre
1594 wieder zum Besitze seiner, ihm von den Schweizern entrisse-
nen Landereien, des beträchtlichen Landstriches von Chablais, und der
dazu gehörigen Aemter Ger, Terni und Gaillard. Die reformirte
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen