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Am 29. Jänner. 783
Male nach dem Leben, aber vergeblich; denn Gott schützte auf un-
sichtbare Weise seinen Diener.
Mit ausharrendem Ernste, obgleich nicht ohne großen Wider-
stand zu erfahren, bewirkte er die Verbesserung der Klöster, die in
seinem bischöflichen Sprengel lagen. Als er in eben dieser Angele-
genheit zu Sir sich befand, erfolgte drei Stunden davon ein Berg-
sturz, der mehrere Dörfer verschüttete, und viele Menschen und Thiere
töotete. Der gefahrvollen und beschwerlichen Wege ungeachtet eilte
er dahin, die noch lebendenden armen und trostlosen Bewohner des
unglücklichen Thales zu trösten, und nach seinem ganzen Vermögen
zu unterstützen. Ein Geschenk, welches, ihm der Stadtrath von Di-
jon, wo er die Fastcnpredigten mit außerordentlichem Erfolge gehal-
ten hatte, anbot, eine reiche Abtei, und dann einen jährlichen Ge-
halt, welchen der König von Frankreich ihm gegeben, sowie den
Cardinalshut, den eben dieser ihm verschaffen wollte, schlug er aus,
weil sein edles Herz ferne war von aller Neigung nach Ehrenstellcn
und Reichthümern. Als die Königin Christina von Frankreich ihn
zu ihrem Almoscngeber ernannte, und ihm eine Besoldung anweisen
wollte, weigerte er sich, diese anzunehmen, mit den Worten: „Ich
befinde mich ganz gut bei meiner Armuth, und die Reichthümer
fürchte ich, sie haben schon so viele Menschen verdorben, sie könnten
mich auch verderben." Sie gab ihm darauf einen kostbaren Ring
mir der Bedingung, daß er ihn aus Achtung für sie behalte. „Ja,"
erwiederte er, „so lange, bis die Armen desselben bedürfen." Seine
Almosen waren so reichlich, daß sie, mit Rücksicht auf seine gerin-
gen Einkünfte, unglaublich scheinen, und es in seinem Hause oft am
Nöthigsten fehlte. Als hierüber einmal sein Verwalter sich beklagte,
und ihn verlassen wollte, sagte er mit bewunderungswürdiger Ein-
falt: „Sie haben Recht, ich bin unverbesserlich; und was noch
schlimmer ist, ich werde es wohl noch lange seyn." Ein andermal
zeigte er bei einem ähnlichen Anlasse auf ein Kruzifix, und sprach:
„Kann man einem Gott etwas verweigern, der sich für uns so weit
herabgelassen hat?" Einen verlassenen Taubstummen nahm er in
seinen eigenen Palast auf, und unterrichtete ihn durch Zeichen so
weit, daß er ihm beichten konnte.
Wie die Predigten, so athmeten auch die Schriften des heili-
gen Franziskus von Sales den Geist der sanften Liebe, weßhalb
diese, wie jene, so scgensuolle Früchte hervorbrachten. Mit dem
größten Beifalle wurde aufgenommen und in alle lebende europaische
Sprachen übersetzt sein Buch: „Anleitung zum frommen Leben."
Es fand aber auch Tadler. Ein unbescheidener Mönch ließ sich so-
gar auf öffentlicher Kanzel gegen dasselbe heraus, und endigte da-
mit, daß er es in Gegenwart seiner Zuhörer verbrannte. Der fromme
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen