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792 Der heilige Fidelis von Sigmaringen :c.
ser geistlichen Hilfe verband er die leibliche. Er schickte ihnen Speise
und andere Erfordernisse in's Lager, sichte die Bürger der Stadt,
und endlich auch den Erzherzog Leopold, der damals in Innspruck
war, um Hilfe und Unterstützung für sie an. Diejenigen, die zur
res^rmirten Religion sich bekannten, schloss er so wenig, als seine
Glaubenügeiwjsen, von seiner erbarmenden Liebe aus. Dadurch ge-
wann er die Liebe der Soldaten in einem solchen Grade, daß nur
er es vermochte, einen so wilden als ungerechten Anfall auf das
Haus des fürstlichen Rentbeamten, Paul Tschitschcr, der ihren Sold
nicht bezahlen konnte, zu verhüten.
Im Jahre 1018 erregten die Caluinisten in jenem Theile des
Bcrglandes Bündten, zehn Gerichten Bund genannt, welcher unter
der Herrschaft des österreichischen Erzherzogs Leopold stand, einen
Aufruhr, der für dießmal gestillt wurde; aber schon im Jahre 1621
mit größerer Heftigkeit aufs Neue ausbrach. Leopold beschloß, Ge-
walt mit Gewalt zu vertreiben, sammelte Truppe» und schickte mit
denselben den Grafen Allwig von Sulz, als Befehlshaber gegen die
Rtbellen. Diese mußten sich bald ergeben. Allwig wußte, daß
Religionsun'.'ichen die Rebellion verursacht, und die reformirten Pre:
diger den größten Antheil an denselben gehabt hatten. Er schaffte
deßhalb diese aus dem Lande, und war darauf bedacht, das unwis-
sende und betrogene Volk duich gründlichen Unterricht in der Reli-
gion zur Besinnung zu bringen, und zur wahren Religion zurück
zu fi'chrc» , wobei doch Niemanden einiger Zwang geschehen sollte.
In dieser Absicht berief er aus dem Kapuzinerklostcr ;u Feldkirch
dlü Guardian Fidelis, dessen vortreffliche Eigenschaften ihm bekannt
.'"aren, nach Bündten. Fidelis folgte bereitwillig diesem Rufe, und
kam gegen das Ende des Jahres 1621 , begleitet von einem Prie-
ster seines Ordens, in's Biatigöw. In den ersten Tagen des Jah-
res 1622 erhielt er auf päpstlichen Befehl den Auftrag, das Amt
eines Glaubensprcdigers in Bündten zu übernehmen. Mit großem
Eifer fing er das so wichtige als schwere Tagwerk an. Er besuchte
einen Ort nach dem andern, und weder Regen noch Schnee, weder
Stürme noch Kälte konnten ihn daran hindern. Man sah ihu oft
Stundenweit den tiefsten Schnee über Berge und Hügel durchwaoen,
wo man kaum geglaubt hätte, daß ein Mensch durchkommen könne.
Ganz durchnäßt, und beinahe erstarrt kam er manchmal an seinen
bestimmten Orten an, und doch war er immer heiter und zufrieden,
und bestieg, sobald das Volk versammelt war, fröhlich die Kanzel,
nach einem inbrünstigen Gebethe. Oft predigte er in einem Tage
an zwei verschiedenen Orten. Seine Predigten waren gründlich,
und dabei sanft und rührend. Er behandelte den Irrthum mit wei-
ser Schonung. Dadurch, sowie auch durch sein liebevolles Betragen
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen