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794 Der heilige Fidelis von Sigmaringen:c.
ten, als sie in Bretigöw bekannt wurden, guten Erfolg, weil sie
durchaus allen Rcligionszwang beseitigten. Nun aber nahmen die
reformirten Prediger zu den niederträchtigsten Mitteln, das Volk
aufzureizen, ihve Zuflucht. Sie verfertigten falsche Briefe, die der
Erzherzog Leopold an den Statthalter, Obrist Baldrion, abschrieben
haben sollte, u»d i» welchen diesem befohlen war, alle Einwohner
mit Gewalt der Waffen zum katholischen Bekenntnisse anzuhalten.
Durch diesen schandlichen Betrug getauscht, gerieth das Volk in
Raserei, und die zum Aufstande noch nöthigen Vorkehrungen wur:
den nicht mehr ge!,e,m gehalten. Am 22. April in der Frühe, —
es war ein Freitag, — ging Fidelis von Lucien nach Grüsch. Auf
dem Wege dahin fragte ihn sein Gefährte, Pater Johann: „Was
wollten wir jetzt thun, wenn auf einmal ein Haufen Rebellen uns
überfiele, und uns zu erschlagen drohtet- „Nichts anderes/- er-
wiederte Fidelis ganz ruhig, „als was andere Märtyrer thaten,
nämlich in Gottcbnainen uns freiwillig dem Tode ergeben." An
diesem Tage schrieb er mehrere Briefe, und unterzeichnete sich in je:
dem: »Pater Fidclis, unwürdiger Kapuziner, gar bald eine Speise
der Würmer/- um seinen lieben Freunden anzuzeigen, daß sie in
Kurzem die Nachricht seines Todes erhalten werden. Die folgende
ganze Nacht brachte cr im Gebethe zu, Gott sein lieben aufopfernd.
Am 2,j. Apn! Morgens hielt er eine schöne Predigt, nachher eine
herzliche Ermahnung an die Soldaten, denen er die nahe Gefahr
nicht verbarg, und sie so eindringend ermähnte, ihre Heilsangelegen:
heilen in, Ordnung zu bringen, daß alle durch Empfang der heiligen
Sacramente zum gefahrvollen Kampfe sich vorbereiteten. Die
darauffolgende Nacht brachte cr, wie die vorhergehende, im Gebethe
zu, las am 24. April, am Sonntage, »ach abgelegter Beicht ziem-
lich frühe die heilige Messe, und hielt darauf die Predigt; wahrend
der er aber auf einmal die Stimme verlor, und ganz blaß wurde,
und erst nach einiger Zeit die natürliche Farbe wieder erhielt, und
wieder fonreden tonnte. Niemand zweifelte hernach, dieses sey eine
Vorbedeutung seines nahen Todes gewesen. In dieser Predigt war,
außer den Soldaten fast Niemand zugegen. Die rebellischen Bauern
entschuldigten sich bei Fidelis, daß sie nicht wohl nach Grüsch kom-
men könnten, und baten ihn, daß er in Sevis ihnen predigen möchte,
wo sie ihm ruhig zuhören wollten. Fidelis gab ihren Bitten »ach,
und ging nach Sevis. Wider seinen Willen mußte cr sich Sicher-
heits halber dahin begleiten lassen von Soldaten, die der Kapitän,
Jakob üolonna, Freiherr von Fels, anführte. Während der Pre-
digt zu Seois, welcher auch der Kapitän, der nur eine Wache bei
den Gewehren vor dcr Kirche zurück gelassen hatte, mit den Solda-
ten beiwohnte, hörte man Waffengeklirre, und endlich ein fürchterli-
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen