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Am 21. August. 797
nen war ihre erste Sorgfalt. Sie wachte über die Dienerschaft,
hielt dieselbe zur Ausübung der Religionspflichten an, und gewöhnte
sie, jeden Abend dem gemeinschaftlichen Gebethe beizuwohnen. Je-
dem war sein Geschäft, und die bestimmte Zeit, dasselbe zu thun,
angewiesen. Alles war genau angeordnet, um alle Verwirrungen,
die gewöhnlich den Familien höchst nachtheilig sind, zu verhüten.
An den Sonn: und Festtagen mußte die gcsammte Dienerschaft dem
Pfarrgottesdienste, und an den Werktagen der heiligen Messe in der
Schloßkapclle beiwohnen. Sie lebte fast immer, zumal wenn ihr
Gemahl abwesend seyn mußte, in stiller Zurückgezogenheit, und
machte und empfing wenig Besuche, um sich desto ungestörter der
Obsorge für ihre Kinder und für ihr Hauswesen hingeben zu kön-
nen. Viele Zeit widmete sie dem Geberhe und der Lesung nützlicher
Bücher. Müßig ward sie nie getroffen. Ihrem Gemahl suchte sie
auf jede erlaubte Weise zu gefallen, und ihm durch angenehme Ge:
sellschaftcn erfreuliche Unterhaltung zu verschaffen. Bei solchen An-
lässen psiegte sie anfänglich wohl auch ihre angewöhnten Andachts-
übungen abzukürzen, worüber sie sich aber in der Folge selbst Vor-
würfe machte, und deßhalb im Jahre 1601 den Entschluß faßte, es
unter keinem Vorwande mehr zu thun, außer wenn die Werke der
Nächstenliebe es erfordern sollten. Der Baron von Chantal ließ
ihr hierin auch alle Freiheit, denn er war rechtschaffen, und liebte
seine gottesfürchtige Gemahlin. Nichts fehlte zu dem beiderseitigen
Glücke. Allein Gott setzte nun seine Dienerin einer harten Prüfung
aus. Der Baron war eben von einer Krankheit genesen, als einer
stincr Freunde ihm eine Iagdparthie vorschlug, die er annahm.
Sich vor Kälte zu schützen, hüllte er sich in einen Pelz. Im Walde
stallte er sich hinter ein Gebüsch, was sein Freund aber nicht wahr-
genommen hatte, deßhalb ihn, durch ein falsches Licht geblendet, für
ein Rothwild hielt, und auf ihn anschlug. Der Schuß war todt-
l>ch. Mit der vollkommensten Ergebung und mit ^großer Andacht
empfing der Verwundete die heiligen Sacramente, tröstete selbst sei-
nen mit Verzweiflung ringenden Freund, verbot strenge, ihm einen
Vorwurf wegen seinem Uebersehen zu machen, und gab nach weni-
gen Tagen in den Armen seiner Gemahlin, deren Schmerz sich nicht
aussprechen laßt, seinen Geist auf.
Johanna ertrug ihr Leiden mit bewunderungswürdiger Seelen-
größe , brachte sich dem Herrn als Opfer dar — bereit zu jedem
Kreuze, das er ihr auflegen wollte, weihete sich ihm ganz, und legte
das Gelübde lebenslänglicher Keuschheit ab. Dem Urheber des To-
des ihres Gemahls erwies sie alle mögliche Dienste, um keinen
Zweifel ihm zu lassen, ob sie wohl von ganzem Herzen ihm verzie-
hen habe. Von sechs Kindern waren noch vier am Leben, nämlich
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen