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800 Die heilige Johanna Franziska von Cbantal :c.
rathen des Erzbischofs von Lnon zu einem religiösen Orden erhoben
wurde, was Franz von Sales anfänglich nicht beabsichtiget hatte,
weßhalb die Johanna von Cyantal und ihre Genossinnen, bald nach
ihrem Eintritte die feierlichen Gelübde ablegten.
Die Regel, welche der heilige Franz von Sales, diesem neuen
Orden vorschrieb, gründet sich auf die evangelischen Vorschriften der
Demuth, des Gebethes, der Abtödtung der Sinne und des Willens,
jedoch ohne große Bußstrenge, damit sie auch für die schwächste Na-
tur geeignet sen. Dieser scheinbare Mangel sollte aber ersetzt wen
den durch die Uebung der kleinen Entsagungen, die durch ihre stete
Dauer unaufhörlich die Sinne abtödten. Dadurch lehrte der fromme
Bischof auf die wirksamste Weise sich selbst abzusterben, und drang
deßhalb vorzugsweise darauf, daß man seinem Obern schnell und ge-
lehrig gehorche, sich vollkommen dem göttlichen Willen ergebe, nichts
begehre, nichts verweigere, und sich niemals, was auch geschehen
möge, verwirren lasse. Nach diesen Lehren richtete Johanna ihren,
und ihrer Mitschwcstern Lebenswandel ein. Sie hielt dieselben so
lange nicht für wahrhaft demüthig, bis sie sah, daß sie die Ver-
weise und Zurechtweisungen liebten. Sie ermähnte dieselben, durch
ein glühendes Gebeth ihr Werk zu vollenden, welches sie durch die
Demuth, den Gehorsam, und die Selbstverlaugnung angefangen hat:
ten; sie lehrte sie die Uebung der Stoßgebethlein, mittelst deren sie
sehr oft des Tages die Gesinnungen der Liebe beleben, sich bestandig
Gott aufopfern, u»d alle ihre Handlungen auf ihn beziehen sollten.
Die heilige Johanna Franziska wurde öfters mit schmerzhaften
Krankheiten heimgesucht. Die Aerzte, die keine natürliche Ursache
davon auffinden,tonnten, versicherten mehrmal, ihre Krankheit sey
eine Folge der göttlichen Liebcsglut, von der sie verzehrt wurde.
In einem Briefe an Franz von Sales sagte Johanna: „Die ganze
Welt würde aus Liebe für einen so lobenswürdigen Gott sterben,
wenn sie die Süßigkeiten kannte, die eine Gott liebende Seele ko-
stet." Sie mußte ihre Genossenschaft mehrmal auf einige Zeit ver-
lassen, zum Theile wegen Familienangelegenheiten, zum Theile, weil
sie in verschiedene Städte verlangt wurde, Häuser ihres Ordens zu
errichten. Allenthalben erwarb sie sich durch ihre Liebe und Sanft-
muth hohe Verehrung, und durch ihre ausharrende Geduld die Be-
wunderung selbst ihrer Feinde, zumal in Paris, wo sie wahrend der
zwei oder drei Jahre, in denen sie dem, von ihr in der Vorstadt
St. Antoine gestifteten, Hause vorstand, von denselben viel zu lei-
den hatte. Durch den Hintritt ihres geistlichen Führers und Va-
ters, des heiligen Franz von Saleö; durch den Verlust ihres Soh-
nes, der im Jahre 1.627 im Kampfe gegen die Hugenotten auf der
Insel Rhc getödtet wurde; durch den v,er Jahre darauf erfolgten
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen