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Am 2 l . August. 801
Tod der Gemahlin desselben, ihrer Schwiegertochter, und auch ihres
Tochtermannes des Grafen von Toulonjou: wurde ihre Geduld und
Ergebung auf die schwerste Probe gestellt; die sie aber heldenmüthig
bestand. Bei jedem solchen Unfälle opferte sie ihr Herz Gott auf,
wobei sie nur zu sagen pflegte: „Herr, vernichte, schneide weg, ver-
brenne Alles, was deinem heiligen Willen entgegen steht." Alle
diese Prüfungen, so wie die innern Trostlosigkeiten dienten nur dazu,
ihre Heiligkeit in einem noch höheren Glänze zu zeigen. Sie lernte
dadurch, sich selbst besiegen, und immer größere Seelenuollkommen-
heit erringen. Aus dieser Duelle flößen die schönen eindringenden
Lehren, die sie ihren Schwestern über die Nothwendigkeit der Entsa-
gung aller vergänglichen Dinge, der gänzlichen Abtödtung der Sinne,
und der vollkommenen Verläugnung des eigenen Willens so oft er:
theilte, wobei sie ihnen immer auch das anhaltende Gebeth empfahl.
„Unser Herz," sagte sie, „muß allzeit bethen, und lieben, was wir
auch thun mögen.'-
Als in der Stadt Annecy eine verheerende Pest sich verbreitete,
wollten der Herzog und di" Herzogin von Savoyen die Mutter von
Chantal bewegen, durch Entfernung ihr Leben zu sichern; allein
durch nichts war sie zu vermögen, ihre geliebten Schwestern zu ver-
lassen. Sie blieb zu Annecy, und ward in der schweren Drangsal
der ganzen Stadt ein Engel des Trostes, durch ihre Ermahnungen,
Almosen und Gebethe. Ihre Genossenschaft blieb frei von der An-
steckung, und keine ihrer geistlichen Töchter starb an der töotenden
Seuche.
Nachdem Johanna im Jahre 1638 auf Verlangen der Herzo:
gin von Savoyen ein Haus ihres Ordens zu Turin errichtet hatte,
unternahm sie im Jahre 1641 eine Reise nach Frankreich, ihre Klö-
ster zu besuchen. In Paris ward ihr der unaussprechliche Trost,
den heiligen Vincentius von Paulus recht oft zu sehen, in dem, in
der Antoniusstraße gelegenen Kloster, dem er als Oberer vorstand.
Durch die öftern Unterredungen mit dem gottseligen, auf den We-
gen des innern Lebens so erprobten Manne, erlangte ihr Geist den
höchsten Aufschwung. Von Paris reiste sie nach Moulins, in der
Landschaft Bourbonois, wo der Orden ein großes Kloster hatte.
Hier ward sie krank an einem Fieber, dem eine Brustentzündung
sich beigesellte, und hier athmete sie, nachdem sie die heiligen Sacra-
mente mit den lebhaftesten Gefühlen der Andacht empfangen, und
ihren geistlichen Töchtern die letzten mütterlichen Ermahnungen gege-
ben hatte, ihre große und schöne Seele aus, am 13. Dezember
1641, fünf Wochen nachdem sie Paris verlassen hatte. In einer
Erscheinung offenbarte Gott dem heiligen Vincentius, dast sie der
Herrlichkeit der Auserwahlten im Himmel theilhaftig geworden sey.
Zweiter Banl, 51
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen