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804 Der heilige Ioscphus von Cupcrtmo :c.
nach der Ordensregel weggeben dürfte, und wenn er sich so ganz
von Allem befreit sah, sagte er, vor seinem Kruzifix kniecnd: „Sieh'
nun, Herr, ich bin von allem Erschaffenen losgetrennt; sey du, ich
bitte dich, mein einziges Gut! jedes andere Gut sehe ich als eine
Gefahr, als das Verderben meiner Seele an."
Nach erhaltener Priesterweihe brachte er fünf Jahre zu, ohne
Brod zu essen oder Wein zu trinken, indem er sich diese ganze Zeit
hindurch bloß von Kräutern und getrockneten Früchten nährte. Die
vierzigtägige Fasten hielt er so strenge, daß er sieben Jahre lang
während derselben nur am Dienstag und Sonntag einige Nahrung
genoß. Am Morgen war immer sein Angesicht sehr blaß, es wurde
aber frisch und blühend nach Empfang der heiligen Eommumon.
Den Genuß des Fleisches hatte er sich so ganz abgewöhnt, daß sein
Magen es gar nicht mehr vertragen konnte. Seine Liebe zur Ab.-
tödtung erdachte verschiedene Bußwcrkzeugc, das Fleisch zu kreuzigen.
Zwei Jahre lang wurde er durch innere Leiden hart geprüft, die
ihm unbeschreibliche Angst und Qual verursachten; endlich aber folgte
auf den Sturm die heiterste Stille. Es hatte sich der Ruf verbrei-
tet, der fromme Diener Gottes habe Verzückungen und wirke Wun-
der, deßhalb folgte ihm das Volk schaarcnweise, als er seinen Pro:
vinzial auf einer Reise durch die Provinz Bari begleitete. Ein Ge-
neralvikar fand darin Anstoß, und klagte ihn an bei der Inquisition
zu Neapel, von der er berufen, aber, nach genauer Untersuchung
für unschuldig erklärt, wieder entlassen, und nach Rom geschickt
wurde zu seinem General, welcher ihn, die Wahrheit oder Falschheit
der angeschuldigten Heuchelei zi> erproben, mit Härte empfing, und
in's Kloster Assisi schickte. Bei dem Quardian dieses Klosters war
die Aufnahme nicht besser, und eben so hart die Behandlung, die
er von ihm erfahren mußte. In der ersten Zeit der dreizehn Jahre,
die er zu Assisi, wohin er im Jahre 1639 kam, zubrachte, hatte er
nebst diesen äußern, auch schwere innere Leiden zu erdulden; denn
seine Andachtsübungcn waren von einer qualvollen Geistcsdürre und
ängstigender Trockenheit begleitet, und unreine Bilder, die beständig
seiner Seele vorschwebten, setzten ihn in den Kampf schwerer Ver-
suchung, Er harrcte aber aus in der Geduld in jedem Kampfe;
daher ihn Gott mit dem glänzendsten Siege erfreute, und mit au-
ßerordentlichen himmlischen Tröstungen, die ihm in der Folge reich-
licher, als jemals, zu Theil wurden. Bei dem bloßen Namen Got-
tes, Jesus oder Mariens, war er wie außer sich. Oft rief er aus:
„Würdige dich, o mein Gott! mein ganzes Herz zu erfüllen und zu
besitzen! Ware doch einmal meine Seele von den Banden des Lei-
bes befreit, und mit Jesus vereinigt! Jesus, Jesus, zieh mich zu
dir hinauf, ich kann nicht lünc;^ mehr auf der Erde bleiben." Er
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen