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Am 6. April. 807
vier Jahre, machte, eben so gelehrig als fähig, große Fortschritte,
und sich durch sein bescheidenes Wesen, und tadellose Aufführung
sehr beliebt. In den vier folgenden Jahren war er im Hause des
Herrn Lommet, eines angesehenen Anwaltes, dessen Sinder er Un-
terricht ertheilte, und fuhr fort, auch selbst den Wissenschaften obzu-
liegen. Herr Lommet erkannte die Gaben und Tugenden des Jüng-
lings, und beredete ihn zum geistlichen Stand, worauf Vincentius
im ein und zwanzigsten Jahre die vier niedern Weihen empfing.
Nun sctzlc er seine Studien fort zu Toulouse, und empfing im Jahre
1.60(1 durch Handauflcgung des Bischofs von Perigueur die Prie-
sterweihe. Dieses hohen Berufes desto würdiger, jemehr er sich des-
selben unwürdig fühlte, hat der demüthige Mann in spätern Zeiten
oft gesagt, daß, wenn er nicht Priester wäre, er sich nie erkühnen
würde, Priester zu werden.
Sein Vater war gestorben, und hatte im letzten Willen ver-
ordnet, daß Vinccntius bis zur Vollendung seiner Studien sollte
unterstützt werden; er aber entsagte dieser Hilfe zu Gunsten seiner
Mutter und seiner Geschwister, obgleich er zu arm war, in Toulouse
zu bleiben. Willkommen war ihm deßhalb der Antrag, der aus
dem, vier Stunden von Toulouse entfernten, Städtchen Büzet an
ihn gelangte, den Unterricht der dortigen Jugend zu übernehmen.
Er that es mit so schönem Erfolge, daß viele Adelige vom Lande
ihre Söhne ihm in die Kost gaben, und sie, als Vincentius wieder
nach Toulouse ging, ihm nachziehen ließen, wo er, ihnen Unterricht
zu geben, fortfuhr, und zugleich selbst den Wissenschaften mit sol-
chem Fleiße oblag, daß er mit dem Grade des Baccalaureats beehrt
wurde, und nun öffentliche Vorlesungen hielt. So glänzend seine
Fortschritte in den Wissenschaft» waren, .,so hielt er doch" gleich
dem großen Apostel, „nicht dafür, daß er etwas wüßte, als nur
Jesum Chr,stum, und diesen als den Gekreuzigten."
Zu Toulouse starb ein Mann, welcher den Vincentius zum
Erben eingesetzt hatte. Ein Schuldner desselben wohnte in Mar-
seille. Vincentius reiste dahin, die Schuld zu erheben, ließ aber
nüt einem Theile derselben sich begnügen. — Einen Theil des Rück-
weges wollte er zu Waffer machen. Das Schiff aber, auf dem er
sich befand, wurde von drei Raubschiffen angefallen, und nach einem
blutigen Kampfe erobert. Vincentius ward von einem Pfeile so
verletzt, daß cr lange Zeit, besonders bei wechselnder Witterung,
empfindliche Schmerzen litt. Er wurde, so^wie-alle Andere, von
den Türken in Ketten gelegt, nach Tunis gebracht, und dort als
Sklave verhandelt an einen Fischer, der ihn 'gber hald, weil er im-
mer seekrank war, an einen Arzt verkaufte; nachhem dieser im Jahre
1606 gestorben war, kam er an einen Renegaten «.aus Nizza. Die-
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen