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814 Der heilige Vincentius von Paulus, Priester.
dem hochheilige Sacramente auf den Knieen in Betrachtung lag.
Darauf bethete er laut die Litanei vom Namen Jesus, und bereitete
sich dann im Gebethe vor zur deiligen Messe, die er alle Tage feierte.
Die kanonischen Tagzeiten bethete er in der Kirche, und nie kam er
zurück von einem Ausgange, ohne das hochheilige Sacrament in der
Kirche des Hauses des heiligen Lazarus zu besucken. Täglich hielt
er auch mit dem ganzen Hause gemeinschaftliche Abendandacht. Er
verwendete jährlich verschiedene Tage auf geistliche Uebungen in hei:
liger Stille und Abgezogenhcit. Was er an der Zeit, die er im
Gebethe und in der Betrachtung zubrachte, für seine Berufsgeschäfte
hatte scheinen mögen zu verlieren, das gewann er reichlich für eben
diese Geschäfte wieder — an Erleuchtung und Kraft, die er im Ge-
bethe schöpfte, und deren er bei den zahllosen, verwickelten und gro-
ßen Angelegenheiten, die auf ihm beruhten, so mehr bedürfte. Wie
hatte er ohne diese so unbegreiflich Vieles ausrichten können? Er
war von Natur wahrhaft, cdelmüthig, bescheiden, muthig, mitleidig
und liebevoll. Seine holde Freundlichkeit gewann Aller Herzen.
Es war rührend zu sehen, wie sein ganzes Wesen die Kinder an
ihn zog; wie er sich ihnen, und besonders den Kindern des armen
Landvoltes, und allen Armen so ganz hingab. Mit Recht bewun-
derte man ihn, wenn er den größten Beleidigungen Freundlichkeit
und Demuth entgegen setzte. Aber noch bewunderungswürdiger war
er in seiner immer sich gleich bleibenden Fassung, aus welcher ihn
nichts zu stören vermockte. Er unterbrach nie die Nede eines An-
dern, und sagte seine Meinung immer in wenigen Worten klar, be-
stimmt und freundlich. In einer Unterredung sagte er seinen Mis-
sionsgenossen: die Erfahrung habe ihn belehrt, daß man mit Trocken-
heit nichts Gutes wirke; durch Vorwürfe aber und rauhe Worte
immer schade. Er strebte, stets vor Gott zu wandeln, und um den
Weg dieses Wandels nicht zu verfehlen, hielt er den Blick des Gei-
stes immer gerichtet auf den Sohn Gottes, der zuvor diesen Weg
wandelte, und von dem der erste Apostel zu uns spricht: „Er hat
uns ein Vorbild hinterlassen, auf daß ihr nachfolget seinen Fuß-
stapfen.« 1. Pet. 2, 21.
Seine vielen Reisen machte Vincentius, so lange er's konnte,
fast immer zu Fuß, dann zu Pferde; in seinen letzten Lebensjahren
sich einer Kutsche zu bedienen, vermochte ihn nur der bestimmte
Befehl der Königin und des Erzbischofs. Diese Kutsche nannte der
demüthige Diener des Herrn nur seine Schmach und seine Schande.
Seine Nahrung war so einfach, als seine Kleidung. Von ersterer
entzog er sich oft das Nöthige, um den Armen es zu geben. Er
war von nicht starker Leibcsbesckaffenheit, daher dem widrigen Ein-
flüsse rauher Witterung, und durch diese vielfältig körperlichen Leiden
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen