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6 Die Verfolgungen der Kirche Jesu Christi
Juden, denen er gefällig werden wollte, ließ er mehrere der an-
gesehensten Christen zu Jerusalem ergreifen, und in das Gefäng-
niß werfen, den Apostel Jakob todten, und dann den Petrus in
Fesseln legen, um auch ihn zum Wohlgefallen der Juden hinrichten
zu lassen. Diese Verfolgung wäre wohl für die Christengemeinde
zu Jerusalem die traurigste geworden, wenn nicht die gütige Vor-
sehung Gottes den Petrus durch einen Engel aus dem Gefängniß
gerettet, und den Frevel des übermüthigen Königs durch einen bal:
digen Tod gestraft hätte.
Ein neuer Ausbruch der feindseligen Wuth, welche in den Her-
zen der Juden auch die Länge der Zeit zu mildern nicht im Stan-
de war; zeigte sich bei dem gewaltsamen Tode des heiligen Apo-
stels Jakob —- des Bischofs zu Jerusalem.
Die Strafgerichte Gottes, die Jesus bei Matthäus am 24 ten
Kapitel so bestimmt vorangesagt hat, brachen über die jüdische Na-
tion herein. Durch Aufruhr und Krieg wurde das ganze Land ver-
wüstet, die Stadt Jerusalem mit dem prächtigen Tempel im Jahre
70 zerstört, und das Iudenvolk in alle Welt zerstreut. Die gött-
liche Vorsehung verschaffte zwar den Christen Gelegenheit, dem Greuel
der Verwüstung, der in Jerusalem herrschte, durch die Flucht, zu
der sie Jesus in der oben angeführten merkwürdigen Weissagung
aufgefordert hatte, zu entgehen; sie hatten aber doch in den Zeiten
der stürmischen Unruhen im jüdischen Lande sehr viel zu leiden —
von den J u d e n , weil sie mit ihnen nicht gemeine Sache ge-
gen die Römer machen wollten, und — von den R ö m e r n ,
weil sie für eine jüdische Sekte angesehen, und wie die aufrühreri-
schen Juden behandelt wurden. Auch nachher noch zeigten die Rö-
mer unerbittlichen Haß gegen die zerstreuten Juden, und die Chri-
sten mußten diesen Haß mitempfinden, weil sie von den Juden nicht
unterschieden wurden. Den durch die Umwälzung des jüdischen Staa-
tes zerstreuten Juden fehlte es, selbst in ihrem eigenen größten Elen-
de nicht an dem Willen, sondern nur an der Macht, das Christen-
thum fernerhin auf eine wirksame Art zu verfolgen.
Drückender und anhaltender waren die Uebel, welche die Chri-
sten von dcn Heiden erdulden mußten. Lange Zeit hielten die Rö-
mer das Christenthum für eine jüdische Sekte, und behandelten die
Christen, wie die Juden, als boshafte und menschenfeindliche Leute,
welche Feinde des Reiches, und deßwegen dem Staate gefährlich
seyen. Schon Christo machte man den Vorwurf, er verführe das
Volk, er verbiethe dem Kaiser den Tribut zu zahlen, und er gebe
sich für einen König aus. Aehnliche Vorwürfe machte man den
Aposteln und Jüngern Christi, daß sie wider die kaiserlichen Befehle
lehrten, daß sie das Volk aufwiegelten und Unruhen stifteten.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen