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8 Die Verfolgungen der Kirche Jesu Christi
Der Argwohn, daß der Kaiser selbst den traurigen Brand ver-
anlaßt habe, wurde laut und algcmein, und der Unwille und Ab:
scheu des Volkes gegen ihn so groß, daß er das Aergste für sich
befürchten mußte. Da er nun den Verdacht der angelegten Feuers-
brunst auf Andere walzen wollte, ersah er sich die Christen zu Opfern
seiner Nuth. Diese beschuldigte er des verübten Mord-Brandes.
Sie wurden ergriffen, vor die Richterstühle geschleppt und auf's
grausamste gemartert. Viele derselben bedeckte man mit den Häu-
ten wilder Thiere, und warf sie den Hunden zum zerfleischen vor.
Viele wurden an's Kreuz geheftet, und viele mit brennbaren Ma-
terien, als Pech u. d. gl. bestrichen, angezündet, und des Nachts
als Fackeln in den Gärten des Nero aufgestellt. Selbst das heid-
nische Volk wurde durch diese unerhörte, an den Christen verübte
Grausamkeit zum Mitleiden gegen die Verfolgten und zum Unwil-
len gegen den Verfolger bewegt; dadurch wurde die rasende Wuth
des Nero einiger Masten eingehalten, aber nicht unterdrückt, denn
bis zu seinem Tode welcher nach vier Jahren erfolgte, wurden noch
viele Christen, und wie wir schon gehört haben, auch die heiligen
Apostel Petrus und Paulus, die blutigen Opfer der von ihm fort-
gesetzten Verfolgung.
D o m i t i a n , ein Bruder des Titus, stand dem Nero an
Grausamkeit wenig nach. Er fing im Jahre 94 gegen das Ende
seiner Regierung an, die Christen zu verfolgen aus der Ursache,
weil man ihm gemeldet hatte, daß sie von einem neuen Reiche re-
den, und daß unter ihnen noch einige übrig seyen, die von David
abstammen. Er war deßwegen in Sorgen für seine Krone, und
verfolgte die Christen. Viele derselben mußten während dieser Ver-
folgung, welcher indessen der Tod des Tyrannen bald ein Ende
machte, den Tod leiden. Unter Domitian soll der Apostel Johan-
nes in Oel gesotten, und von ihm aus die Insel Pathmos verwie-
sen worden seyn.
T r a j a n wurde im Jahre 98 zum römischen Kaiser ausge-
rufen. Der Statthalter in Bythinien, Plinius der jüngere, fragte
sich bei diesem Kaiser in einem Briefe an, wie er sich gegen die
Christen verhalten solle. Da dieser Brief ein für die Christin sehr
rühmliches Zeugniß enthält, so will ich denselben hier wörtlich an-
führen.
„Es ist meine Gewohnheit, c Herr! mich in allem, worüber
„ich im Zweifel bin, an dich zu wenden. Denn wer vermag besser
„mich bei Bedenklichkeiten zu leiten, oder meine Unkunde zu unterrich-
„ten i Bei Erkenntnissen in Sache der Christen bin ich nie gegenwärtig
„gewesen, weiß daher nicht, was zu bestrafen, noch auch welches
„Ziel man der Strafe, oder der Untersuchung zu setzen pflege?
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen