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22 Die gottesdienstlichen Zusammenkünfte und Gebräuche
Rcligionshandlung ist, keineswegs die ganze Pflicht der sonntäglichen
Gottesverchrung. Den Sonntag christlich feiern heißt: mit Herz
und Geist der ganzen öffent l ichen Gottesverchrung, der vor-
mittägigen sowohl als der nachmittägigen, also insbesonders auch
dem öffentlichen Religionsunterrichte und dem Gebethe beiwohnen.
Es heißt: auch außer der Kirche frommen Betrachtungen obliegen,
erbauliche Bücher lesen, seinen sittlichen Zustand durchforschen, über
das Verhältniß zwischen Gott und dem Menschen nachdenken, für
das Gute, das man von Gott empfangen hat, danken, die Thor-
heilen die man begangen hat, bereuen, und heilsame Vorsätze machen,
alles wieder zu verbessern. Bei den täglich vorgehenden Geschäften
können wir ja dieses nicht thun; es wird also doch nicht zu viel
seyn, wenn wir wenigst den Sonntag unserer Heiligung und Bes-
serung widmen.
Sobald die christliche Kirche Ruhe erhielt, wurde durch geist:
liche und weltliche Anordnungen festgesetzt, daß man sich an den
Sonntagen von allen knechtlichen, das ist, solchen Arbeiten enthalte,
welche den Arbeitenden ermüden, ihn an der Theilnehmung der
Gottesverehrung und an der Privatandacht hindern, oder Andere
in der Versammlung ihres Geistes stören. Jeder Christ, darf und
soll also am Sonntage von der schweren Arbeit ausruhen, um sich
in einsamer Stille oder bei der öffentlichen Gottesuerehrung frommen
Gedanken und Betrachtungen desto besser überlassen zu können.
Wer immer Andere in dieser Ruhe stört, verletzt Rechte, die jedem
heilig seyn sollen. Jede christliche Herrschaft ist deßwegen auch
schuldig, ihren Dicnstlcuten an Sonn - und Festtagen die nothwen:
dige Ruhe zu gestatten. Dringende und nothwendige Geschäfte,
die sich ohne großen Schaden nicht aufschieben lassen, darf man
an jedem Tage verrichten, denn der Sabbath oder Sonntag ist
wegen der Menschen, und nicht der Mensch wegen des Sabbathes.
An diesem Tage der Ruhe sind auch Erholungen des Körpers
und der Genuß sinnlicher Ergötzungen erlaubt. Sie sollen aber
nur solche seyn, die den Gesinnungen der Nächstenliebe, der Freund:
schaft und Geselligkeit Nahrung geben, und dadurch das Herz der
Menschen veredeln und froh machen. Es ist überhaupt ein irriger
Wahn, wenn man glaubt, Gott sey ein Hasser nnd Vcrdammer
der Fröhlichkeit. Unser Gott ist der Gott jeder reinen Freude!
Und jede anständige Ergötzung, mit dankbarem Herzen gegen Gott
genossen, ist auch eine Art von Gottesverehrung. Da ist eine frohe
Kindecschaar, die sich mit unschuldigen Spielen ergötzet; da ist eine
jugendliche Gesellschaft, die sich ihrer Jugend in Unschuld freut; da
ist ein munterer Greis von guten Freunden und Freundinnen, die
an tinem Sonn - oder Festtage zusammen kommen, und die Sorgen
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen