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der ersten Christen:c. 23
und Leiden dieses Lebens bei heitern Scherzen und frohen Ergötz:
lichkeitcn, die der Tugend nicht entgegen sind, vergessen. Diese
Alle hätten, wenn auch Jesus unter sie träte, nicht zu erschrecken.
Er würde ihren unschuldigen Freuden kein zürnendes Gesicht machen.
Mitgenießen würde er im Gegentheil mit ihnen, und sich der auf
allen Gesichtern verbreiteten Frohheit mit theilnehmcnder Freude freuen.
Der, der uns mit den Fröhlichen fröhlich seyn heißt, war gewiß
auch selbst fröhlich, und mehr noch, als wir alle. Ja, er war
nicht nur selbst fröhlich; er machte auch fröhlich. Seine Freude
war — — Freude machen.
Nur die lärmenden Ergötzlichkeiten sind verbothen, die einen
becrächtlichen Theil des Tages einnehmen, und den, der sie genießt,
eben sowohl als Andere im Gottesdienste hindern. Nur solche
Handlungen sind verbothen, die schon an und für sich selbst Aus?
schweifungcn, an jedem Tage schon sündlich, aber an dem Gott be-
sonders geweihten Tage doppelt und dreifach strafbar sind. Wehe
dem Unglücklichen, der gerade aus diesem Tage der heiligen Chri-
stenfreude und Herzensruhe einen Tag des Zungendreschens, einen
Tag der Verschwendung des die Woche hindurch erworbenen Gutes,
einen Tag der Verführung für sich und Andere, einen Tag der
Schändung von beinahe allen Gottesgebothen, kurz, aus diesem ei-
gensten Tag des Herrn einen wahren Teufelstag macht! Wie wird
er eine solche EntHeiligung einst vor dem Richterstuhle des Aller-
heiligsten verantworten können?
Die Christen brachten, wie wir oben aus Justin dem Märty-
rer hörten, Opfer von Brod und Wein und andern Eßwaaren in
die gottesdienstliche Versammlung. Davon wurde so viel ausge-
schieden, als zum heiligen Opfer und Abendmahl nach der Zahl
der anwesenden Christen nothwendig war. Das Uebrige wurde zu
einer Mahlzeit, welche man Agapä oder Liebesmahl nannte,
bestimmt. Die Absicht dieser Liebesmahle war die Erquickung der
Dürftigen und die Unterhaltung der brüderlichen Liebe. Da setzten
sich Reiche und Arme, wie die guten Kinder eines Hauses, zusammen,
und genossen, unter erbaulichen Gesprächen, mit herzlichem Danke,
und unter beständigem Lobe Gottes ihre einfachen Nahrungsmittel;
dadurch wurde allgemeine Eintracht und recht herzliches Zutrauen
bewirkt. Da sprachen sie mit einander, erzählten einander ihre An-
liegen, benachrichtigten einander von heimlichen oder nahe bevor-
stehenden öffentlichen Verfolgungen, faßten gemeinschaftlichen Rath,
trösteten und ermunterten gegenseitig einander. Da konnten sie
gleichsam freier athmen, sich für den Druck, den Zwang, die Verach-
tung, die sie zu Hause oder anderwärts erdulden mußten, einiger-
maßen schadlos halten, da sich wechselweis ihr Licht, ihre Wärme,
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen