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in der ersten christlichen Kirche. 25
„die Auferstehung schon geschehen sey; daher sind ei:
„n ige in ihrem Glauben wankend gemacht worden."
Mit diesen stand Alexander in Verbindung. Auch der Apostel Io :
hannes beschuldiget in seinem dritten Briefe einen gewissen Dio-
trephes des Stolzes, daß er der erste in seiner Gemeinde zu
seyn verlange und dieselbe streng behandle.
Nach dem Tode der Apostel zeigten sich immer mehrere Irr-
lehrer, unter denen jene die merkwürdigsten sind, die man Gnos-
tiker nannte. Sie trugen verschiedene irrige und zum Theil recht
wunderliche Lehren vor, von der Weltschöpfung und Weltregierung,
die sie nicht dem höchsten Gott, sondern unvollkommenen oder
wohl gar bösen Wesen zuschrieben; von Jesus Christus, den sie
nicht für einen wahren Menschen, sondern für einen höhern Geist
hielten. Alles Uebel in der Welt, Krankheit, Kriege u. d. gl.
schrieben sie bösen Geistern zu, und verlegten sich deßwegen auf
allerlei Zauberkünste, die Macht derselben zu schwächen. Ihre Sit-
tenlehre war sehr strenge und unbestimmt. Die merkwürdigsten
von der Sekte der Gnostiker waren in den ersten beiden Jahrhun-
derten Cer in thus , S a t u r n i n , Va len t i n u. a. m.
Solche Irrlehrer wurden schon in den ältesten Zeiten Ketzer
genannt, und man verstand unter diesem Namen einen jeden, der
eine oder mehrere Lehren vortrug, die von der reinen, apostolischen
Lehre des Christenthums abwich. Heut zu Tage werden mit dem
Namen Ketzer jene belegt, welche hartnäckig eine Lehre verthei-
digen, die einer von Gott geoffenbarten und von der Kirche ent-
schiedenen Wahrheit entgegensteht.
Gewiß hatte von jeher ein großer Theil der Irrlehren und
Ketzereien seine Quelle in dem menschlichen Stolze, der seinen Ver-
stand nicht in bescheidener Demuth den Aussprüchen der göttlichen
Offenbarung und der Entscheidung der vom Geiste Gottes gelei-
teten Kirche Jesu Christi unterwerfen, sondern Dinge ergründen will,
die dem schwachen Menschenverstände zu ergründen nicht vergönnt
sind. Halten wir uns mit gläubigem Sinne fest an das geoffen-
barte Wort Gottes, welches die höchsten Wahrheiten ausspricht, und
an die Erklärungen der wahren Kirche, so werden wir von jeder Irr-
lehre verwahrt bleiben. Irrlehrer und Ketzer sind indessen immer auch
noch unsere Mitmenschen, die wir nicht hart beurtheilen, nicht hassen und
nicht verdammen dürfen, sondern ihrer Irrthümer wegen bedauern, und
durch schonende Liebe auf den Weg der Wahrheit zurückzuführen
trachten, und für die wir wenigstens, wenn wir etwas anderes zu
thun nicht im Stande sind, nach dem Beispiele der katholischen
Kirche bethen sollen.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen