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28 Die Fasten vor Ostern.
in den morgenländischen als abendländischen Kirchen vor Ostern
gefastet wurde. Um die Mitte des zweiten Jahrhunderts erhob
sich der Streit über die Feier des Osterfestes, von welchem wir in
der Lebensbeschreibung des heiligen Ierenäus schon gehört haben.
Leztercr schrieb einen Brief an den Papst Viktor, welcher die asia-
tischen Kirchen, die das Auferstchungsfest nicht, wie die römische
und die meisten andern, am Sonntage hielten, von der Gemein:
schaft ausschließen wollt»'. In diesem Briefe erwähnt er ausdrücklich
des Fastens, welches die Christen a l lgemein, nur nicht auf
gleiche Weise, vor Ostern beobachteten. Er bemerkt, daß Einige
einen, Andere zwei und noch Andere mehrere Tage fasten, und
daß diese Fasten, aber auch die ungleiche Weise derselben, nicht erst
jetzt beobachtet werde, sondern schon seit langem her bestan-
den habe.
Der Irrlehrer Montan verirrte sich von der reinen Lehre, bald
nach der Mitte des zweiten Jahrhunderts, und der gelehrte Tertul-
lian licß sich auch zu den schwärmerischen Etrengheiten desselben
verleiten. Dieser tadelt in seinem Buche von dem Fasten die Recht-
gläubigen, daß sie nur eine Faste, nämlich die vor Ostern, zur
Zeit, da ihnen der Bräutigam entrissen ist, halten.
Zur Zeit des Ircnäus und des Tertullian war demnach der
Gebrauch des Fastens vor Ostern schon al lgemein, und es darf
deßwegen mit gutem Grunde die Einführung desselben auf die Zeiten
der Apostel hinaufgcrückt werden.
Um welche Zeit diese Fasten auf vierzig Tage festgesetzt worden
sey, kann mit Zuverläßigkeit nicht bestimmt werden. Gewiß ist,
daß es nicht in allen Kirchen zugleich geschehen ist. Im dritten
und vierten Jahrhunderte bestand noch Ungleichförmigkeit. Dioni-
sius von Alerandria schrieb um das Jahr 250 an den Bischof Ba-
silioes, daß die römischen Christen das Fasten, welches zum Anden-
ken des Todes Jesu eingeführt wurde, gegen den Anbruch des
TagcS der Auferstehung Jesu, Andere aber am Abende zuvor be-
schließen. „Es zeigt, fährt er fort, eine edle Standhaftigkeit,
„wenn man das Fasten vor der vierten Nachtwache nicht aufgiebt,
„Diejenigen hingegen, welche vor Mitternacht zu fasten aufhören,
„sind eilfertige Verächter, und unmäßig. Nicht alle bringen diese
„sechs Tage fastend zu. Einige essen früher, Einige später. Ta-
„dclnswerth handeln aber Diejenigen, welche sich an den vier ersten
„Tagen mit den herrlichsten Speisen anfüllen, und dann etwas
„großes zu thun glauben, wenn sie an den beiden letzten Tagcn
„fasten."
Das Wort Ouadragesima, welches heut zu Tage die
vierzigtägige Fasten vor Ostern anzeigt, kommt zuerst vor in der
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen