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Die Fasten vor Ostern. 29
L8sten Satzung der ersten allgemeinen Kirchenversammlung, welche im
Jahre 325 zu Nizäa gehalten wurde. In dieser wird verordnet,
daß sich die Bischöfe einer jeden Provinz jährlich zweimal versam-
meln sollen, und zwar das Erstemal vor der v ierz igtägigen
Fastenzeit — Quadragesima. In dem angeführten avo-
„stolischen Kanon heißt es: „Wenn ein Bischof, Priester, oder Dia-
„kon, oder Sänger die Heiligen vierzig Tage hindurch, oder am
„Mittwoch, oder am Freitag nicht fastet, soll er abgesetzt werd?n.
„Fastet ein Weltlicher nicht, so wird er abgesondert."
Auch der Kirchenrath zu Laodicea, welcher in der Mitte des vier-
ten Jahrhunderts gehalten wurde, redet von der vierzigtägigen Fasten —
Quadrages ima, und befiehlt die genaue Haltung derselben.
Wenn das Wort O.uadragesima in den ersten christlichen Jahr-
hunderten, wie heut zu Tage, ein vierzigtägiges Fasten bedeutet
hat, so erweisen die angeführten Stellen, daß eine solche wenigst
im vierten Jahrhunderte bei einigen Kirchen eingeführt gewesen sey.
Daß aber hierüber, selbst um das Jahr 440 noch, kein allgemei-
nes Kirchengeboth, sondern vielmehr eine große Verschiedenheit so-
wohl in Ansehung der Dauer, als der Weise des Ostcrfastens be-
standen habe, davon überzeuget uns eine merkwürdige Stelle des
Kirchengeschichtschrcibers Sokrates im 5 B. 21. H. In dieser
heißt es: ,,Der Streit, welchen die Christen über das Oster-
,,fcst geführt haben, war unnöthig. Dergleichen äußerliche Beo-
,,bachtungen haben ja, seitdem die jüdische Religion in die christliche
„überging, ihre Bedeutung verloren. Christus und die Apostel
„haben hierin den Menschen die Freiheit nicht eingeschränkt; sie
„haben nicht über Feiertage, sondern über Leben und Sitten Gesetze
„gegeben. Daher ist auch in Rücksicht des Fastens vor Ostern,
„des Sabbaths und anderer mit der Religion verbundener Anstal-
„ten so wenig Gleichförmigkeit. Die römischen Christen fasten vor
„Ostern drei Wochen, den Sabbath und Sonntag ausgenommen,
„nach einander. In Illiricum, in Achaja und zu Alcxandricn
„währet dieses Fasten sechs Wochen, und wird deßwegen das Vier-
,,>igtägige genannt. Andere geben diesem Fasten vor Ostern eben
„diesen Namen, sie fangen es aber mit der siebenten Woche an,
„und fasten doch nur dre' Wochen hindurch an den fünf gewöhn-
„lichen Tagen, eine Woche dazwischen bringen sie immer ohne Fa-
„sten zu. Nicht nur über die Dauer dieses Fastens sind die
„Christen mit einander uneins, sondern auch über die Art des-,
„selben. Manche essen gar kein Thier; Andere bloß Fische: noch
„Andere mit diesen auch Vögel, weil fie meinen, diese seyen eben-
„falls aus dem Wasser gebildet. Einige enthalten sich der Baum-
„fruchte und Eier; Andere genießen nichts als Brod, und Einige
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen