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42 Die öffentliche Buße
Christlicher Leser! Ich habe mich über den Gebrauch des Fa.-
stens in der katholischen Kirche deßwegen so weit ausgebreitet, damit
du einsehest, daß dieser Gebrauch, welcher heut zu Tage von vielen
Christen so wenig geachtet wird, eben so alt und ehrwürdig, als
nützlich und heilsam sey; dich aber überzeugest, das die Hauptsache
des körperlichen Fastcns in dem Abbrüche bestehe, welcher durch
d' vorgeschriebene Enthaltung von gewissen Speisen, die indessen
auch strenge Pflicht des Christen ist, nicht ersetzt oder aufgehoben
werden könne, und daß endlich mit dem Fasten die Gesinnung der
Buße, die Ertödtung der sündhaften Neigungen, Werke der Liebe,
mit einem Worte: ernstliches Ringen nach wahrer, christlicher Voll:
kommenhcit verbunden seyn müsse. Körperliches Fasten allein, ohne
Bezähmung aller seiner Sinne, ohne Kampf gegen die ungeordneten
sinnlichen Neigungen, ohne Streben nach Bekehrung und Lebensbes-
scrung ist weder Gott gefällig, noch unserer Seele heilsam. Welche
sich über die vorgeschriebene Fasten leichtsinnig wegsetzen, die hören
die Kirche nicht, und von solchen sagt Jesus: , ,Hal tet sie für
„He iden und Pub l i kanen ! "
VII.
Die öffentliche Buße in der ersten christlichen Kirche.
(An den Bcickt-, Buß- und Ablaßtagcn zu lcscü,)
Die Christen der ersten drei Jahrhunderte waren die besten.
Ihr Lebenswandel war größtentheils Muster der Frömmigkeit und
Gottseeligkeit. Gleichwie ihre Sitten reiner waren, so war auch
ihr Eifer, das geschehene Böse wieder gut zu machen, starker, und
die Zucht der damaligen Kirche ohne Vergleich strenger als jetzt.
Indessen dürfen wir doch nicht behaupten, daß der Christcnnamc
alles Böse aus der Gesellschaft unserer ersten Glaubensbrüdcr ent-
fernt habe, und daß jeder Christ ein Heiliger gewesen sey. Ob-
schon es der Zweck unserer heiligen Religion ist, Alle zu heiligen
und rein von Lastern zu machen, die von ihr den Namen führen,
so blieben doch auch die ersten Christen Menschen, folglich den Sün-
den und Schwachheiten unterworfen. So herrlich die ersten Chri-
stengemeinden an christlicher Vollkommenheit hervorleuchteten, so
gab es immer doch auch einzelne Christen, welche sich großer Be-
gehungen schuldig machten.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen