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44 Die öffentliche Buße
samer Werke wieder zu heilen, der beleidigten Tugend die Ehre
wieder zu geben, und den Abscheu gegen das Laster wieder herzu-
stellen.
Einige Spuren dieser öffentlichen Buße findcn wir schon bei
dem heil. Irenäus, noch deutlicher aber dci Tertullian in seinem
Buche von der Buße, in welchem er im 9 ten Kap,ttl schreibt:
,Die zweite und eigentliche Buße nach der Taufe muß nicht nur
,im Gewissen bleiben sondern sich auch in Handlungen zeigen, welche
,den Namen des „Bekenntn issen" fül,ren, und darin bestehen,
,daß man sich auf alle Art demüthiget, um Mitleiden zu erwerben,
,daß man in Sack und Asche einhergehe, seinen Leib schmutzig wer:
,den lasse, nur Wasser und Brod genieße, häufig faste, seufze und
,weine, unaufhörlich zu Gott dtthe, sich den Aeltesten unterwerfe,
,vor den Gläubigen auf die Kniee falle, und sie bitte, den Büßcin
,den Aussöhnung zu erwerben." Nach und nach, und zwar schon
im 3ten Jahrhunderte, wurde die Buße nach gewissen Vorschriften
eingerichtet.
Die Sünden, die einer vicljährigen öffentlichen Buße unterla:
gen, waren vorzüglich: Ehebruch, Menschenmord und 35er-
läugnung der Re l i g ion , also die Sünden der Unkeusch-
hei t , der Un m cnschl i ch k ei t und der Gottesvergessen:
heit.
Die öffentlichen Büßer waren in vier blassen eingetheilt, in
Weinende, Zuhörende, Niedergeworfene und Zusammenstehende.
Wenn das Gewissen des Sünders erwachte, und er nach Auf:
nähme in die Christengemeinde und nach Aussöhnung seufzte, so
kam er in die Klasse der Weinenden. Da erschien er, bestreut mit
Asche und angethan mit cincin BuMeio>,', vor oer Thüre des Beth:
Hauses, warf sich zu den Füßen der hineingehenden Gläubigen,
und suchte durch Weinen und Seufzen ihr Mitleiden zu erwecken,
damit sie durch ihre Fürbitte den Kirchcnvorsteher bcwcgcn, daß ihm
der Eingang in die Kirche wieder gestattet werden möge. Es kam
auf den Eifer an, welchen da der Sünder zeigte, ob er bald er-
hört wurde, oder länger von der Gemeinschaft mit den Lhristcn
ausgeschlossen blieb. Mancher Sünder mußte Jahre lang in dieser
Klasse bleiben. Wurde er erhört, so kam er in die Klasse der zu:
hörenden Büßer, welche die Erlaubniß hatten, in das Haus Gottes
hineinzugehen, aber in demselben nicht langer zu bleiben, als d,c
Ungläubigen. Er durfte der Lesung des Evangeliums und der Pre-
digt beiwohnen, mußte aber die Kirche verlassen, sobald die eigerit:
liche Messe anfing, sobald das Volk Brod und Wein zum heiligen
Abendmahl auf den Altar legte, welcher Theil der Messe bei uns
die Opferung heißt. Auch da hing es wieder von dem Bußeifer
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen