Page - (000879) - in Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres - Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
Image of the Page - (000879) -
Text of the Page - (000879) -
in der ersten christlichen Kirche. 45
des Sünders ab, ob und wann er in der Laufbahn seiner Buße
einen Schritt weiter schreiten durfte. In dieser Klaffe mußten die
Büßer ebenfalls oft mehrere Jahre bleiben. Hierauf kamen sie in
die Klaffe der Niedergeworfenen. Diese hatten ihren Namen daher,
daß sie sich öffentlich in der Kirche auf ihre Kniee niederwarfen,
wobei der Bischof ihnen die Hände auflegte, und ein eigenes Ge-
beth um Vergebung ihrer Sünden zu Gott sprach. In dieser Klaffe
wurden sie als eigentliche Büßer angesehen, und mußten manchmal
10 bis 15 Jahre darin zubringen. Am heiligen Opfer und Abend-
mahle durften sie noch nicht Theil nehmen. Durch Bitten und
mehrere Zeichen der Besserung kamen sie endlich unter die Büßer
der letzten Klaffe, welche deßwegen Zusammenstehende hießen, weil
sie mit andern Christen bis an das Ende des heiligen Opfers an
einem Orte standen. Sie durften in der Versammlung bleiben,
da die Gläubigen ihre Gaben auf den Altar legten, und das heil.
Abendmahl empfingen, aber an beiden noch nicht Theil nehmen,
bis sie endlich, nachdem sie auch in dieser Klaffe kürzere oder län-
gere Zeit zugebracht hatten, die Lossprechung erhielten, und in die
Gemeinschaft der Gläubigen wieder aufgenommen wurden.
Die große Strenge dieser Buße leuchtet uns noch mehr ein,
wöim wir folgende Umstände beherzigen:
1) Die Buße in den angegebenen vier Stufen mußte manch-
mal durch zehn, zwanzig und noch mehrere Jahre fortgesetzt wer-
den. Oft ging sie nicht eher, als mit dem Leben zu Ende, ent-
weder weil der Sünder nicht eher losgesprochen wurde, oder weil er
indessen dem Ende seines Lebens nahe kam.
2) In dieser langen Zeit war den Büßern verbothen an
Lustbarkeiten Theil zu nehmen. Bethen, Fasten, Arbeiten und an-
dere gute Werke waren ihr Tagwerk.
3) Der nämliche Sünder wurde in seinem Leben nur einmal
zur öffentlichen Buße zugelassen.
4) Einige Sünder wurden nie früher als im Tode von der
Sünde und Strafe losgesprochen, welches in der damaligen Kirchen-
sprache den Frieden geben hieß. Einige strenge Bischöfe gingen
so weit, daß sie gewisse Sünder nicht einmal im Tode in die Kirche
aufnahmen, sondern sie der Barmherzigkeit ihres göttlichen Richters
überlassen wollten.
Ein alter, sonst frommer Christ, Serapion, war so unglück-
lich, in der Verfolgung aus Furcht des Todes Gott zu verläugnen.
Er flehte nachmals oft um Verzeihung, sie wurde ^hm aber ver-
weigert, weil er den Göttern geopfert hatte. Darauf verfiel er in
eine Krankheit, in welcher er drei Tage sprachlos und aller Empfin-
dung beraubt da lag. Am vierten Tage erholte er sich ein wenig,
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen