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46 Die öffentliche Buße
rief dem Sohn seiner Tochter zu sich, und sagte: „Wie lange o
„Kind! haltet ihr mich auf? Eilet, ick bitte euch, daß mir gleich
„die Sünde erlassen werde. Rufe mir einen Priester! Als er das
„gesagt hatte, wurde er wieder sprachlos." Der Knade lief zu einem
Priester. (5s war Nacht, und' der Priester weil er krank war,
konnte nicht hingehen. Er schickte deßwegen durch den Knaben das
heilige Abendmahl, mit dem Auftrage solches dem Kranken im Wasser
zu geben, zum Zeichen, des Friedens und der Aufnahme in die
Kirche, und zur Wegzehrung ^n's ewige Leben. Als der Knabe
zum Kranken kam, erhielt dieser die Sprache wieder, nahm die
heilige Wegzehrung und starb.
Bei dieser strengn Bußanstalt dürfen wir die mütterliche Sorg-
falt der Kirche für das Heil ihrer Kinder nicht verkennen. Es war nicht
Eigensinn, nicht willkührlicher Gebrauch der Schlüsselgewalt, daß sie
so und nicht anders mit den Sündern verfuhr. Der Vorsteher
einer Christengemeinde wollte versichert seyn, daß er keinen ver-
stellten Menschen von seinen Sünden losspreche. Dieß wäre ein
falscher Friede, und eine höchst gefährliche Ruhe gewesen. Die
Bußwerke waren für die Wiederherstellung des gefallenen Sünders
nothwendig. Sie sollten ihn an seine Missethaten erinnern, vor
dem Rückfalle bewahren, das gegebene Aergerniß wieder gut
machen, das Ansehen der Tugend und des christlichen Namens er-
halten, und seine Sünden vor Gottes Gerechtigkeit auslöschen.
Aus der Strenge der öffentl ichen Buße mögen wir auf
den Bußeifer eines jeden einzelnen Sünders, und auf die Werke
der Abtödtung schließen, welche die ersten Christen für heimliche
Sünden freiwillig werden übernommen haben. Die geheimen Sun-
den wurden ebenfalls sehr strenge gebüßt, nur nicht der öffentlichen
Buße unterworfen, wenn der Sünder sich nicht selbst dazu anboth.
Wenn heut zu Tage die strenge Bußanstalt der ersten christli-
chen Zeiten in der katholischen Kirche auch nicht mehr besteht, so
darf doch dem Sünder der aufrichtige Geist der Buße nicht man-
geln, wenn er sich der Vergebung der Sünden trösten will. Wenn
schon der Mensch, der sich schwerer Sünden schuldig gemacht hat,
— jetzt nicht mehr, auch dem Körper nach, von der Christenge-
meinde ausgeschlossen wird, so hat er sich doch durch seine Vergehunge»
dem Geiste nack, selbst von selber getrennt, und er darf sich als
würdiges Glied derselben nicht mehr ansehen, so lange er nicht durch
ungeheuchelte Reue und redlichen Bekehrungseifer sich der priester-
lichen Lossprechung würdig gemacht hat. Wenn nach der gegen:
wartigen Kirchenzucht dem Sünder solche Bußwerke aufgelegt wer-
den, welche in Ansehung seiner Vergehungen sowohl, als in Ver-
gleichung derjenigen, die der Sünder in den ersten christlichen Zeiten
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen