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52 Der römische Kaiser Diokletian
tian sehr hoch schätzte, und denen er mehr Ehre, als selbst den
Statthaltern erwies. Ja sogar die Kaiserin Priska — Gemahlin
Diokletians, und seine Tochter Va ler ia , Gemahlin des Gale-
r i us , hatten das Christenthum angenommen. Den Bischöfen wurde
sowohl von den Stadthaltern, als von Privatpersonen allenthalben
ehrcrbicthige Achtung und Freundschaft bewiesen.
Sehr groß war die Zahl der Kirchen, in welchen sich die Tausende
der Christen versammelten. Zahllos war die Menge der Gläubigen,
daher die alten Kirchen sie nicht mehr faßten, und in alten Städ-
ten neue Kirchen von Grund aus erbaut wurden. Die Feinde der
Christen vccmochten nichts wider sie, und der Wohlstand ihrer Ruhe
nahm von Tag zu Tag zu.
Aber gerade bei dieser äußern Ruhe, bei dieser Freiheit crkal-
tete die Liebe, und mit dieser der Eifer, wie Eusebius ebenfalls
bezeuget. Mißgunst und Zwiste zerstörten die heilige Eintracht.
Häupter der Kirche erhoben sich gegen einander, und Gemeinden
gegen Gemeinden, weil der Uebcrmuth und der Stolz überHand
nahm. Die Ruhe erzeugte die Sicherheit, und die Sicherheit den
Hochmuth, welcher immer dem Falle vorangeht. So riefen die
Christen selbst die Strafgerichte herbei, durch welche Gott nach sei-
ner unendlichen Erbarmimg sie wieder auf die Wege des Heils
zurückführen wollte.
Galerius war den Christen nicht gewogen, sondern trug viel:
mehr von Kindheit an gegen sie in seinem Herzen den bittersten
Groll, den ihm seine Mutter Romula, ein abergläubisches und
dem Götzendienste ganz ergebenes Weib, in's Herz gepflanzt hatte.
Er durste indessen seinem Haß gegen die Gläubigen nicht vollen
Zügel lasten, weil ihnen Diokletian geneigt war. Er that indessen
doch in seiner Erbitterung, was er thun konnte, und fing die Ver-
folgung der Christen vor den übrigen Kaisern dadurch an, daß er
die Gläubigen, die sich im Kricgsheere befanden, theils durch Zwang
zum Abfall reitzte, theils aus dem Heere stieß, theis ihnen Schmach
anthun und sie todten ließ. Vorzüglich zeigte er seinen Verfolgungs-
eifer an denen, die in seinem Pallaste waren.
Dieser Anfang der Trübsal hätte den Christen zur Warnung
seyn sollen, allein sie achteten, wie Euscbius klagt, nicht auf selbe.
Sie strebten nicht Gott durch Buße zu versöhnen. Selbst die
Hirten fuhren fort in Zwiespalt und Eifersucht unter einander zu
leben, und nach Herrschaft zu trachten. Es bedürfte daher der
Reinigung. Im Feuer der Trübsalen sollten sie geläutert werden.
Sie sollten tief gedemüthiget werden, ehe ihnen Gott vollkommene
Ruhe unier einem Kaiser geben wollte, der dem Kreuze huldigte.
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen