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58 Der Sieg des Christenthums
im Himmel und auf Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen,
daß Jesus Christus dcr Herr sey, zur Ehre Gottes des Vaters.
Constantius hatte sich nicht allein der Christenverfolgung ent-
halten, sondern die Christen geehrt, sie geliebt, sie an seinem Hofe
gehalten und sich ihnen vorzugsweise anvertraut.
Solche Gesinnung und solches Verhalten waren geeignet in
seinem, mit großen Anlagen geborncn, Sohne Constantin günstige
Gesinnungen gegen die Christen zu bewirke». In diesen Gesinnun-
gen mußte er bekräftiget werden durch die Vcrgleichung sowohl der
Sitten und der Schicksale gleichzeitiger Kaiser mit den Sitten und
mit den Schicksalen seines Vaters, als auch der grausamen Wuth
und der Laster der verfolgenden Heiden mit den Tugenden und dcr
Standhaftigkeit der Christen, welche die besten Bürger des Staa-
tes waren.
Constanti war, als sein Vater starb, 33 Jahre alt. Also-
bald, als er zum Kaiser ausgerufen war, erließ er eine Verord-
nung, welche -den Christen günstig war, kraft derer sie, wie Lak-
tantius sagt, ihrem Gottesdienste und ihrem Gott wieder gegeben
wurden. Er war indessen doch nicht Christ, und wer hätte erwar-
ten können, daß der junge Fürst im Glänze dcr größten irdischen
Macht und Herrlichkeit, im Dränge der Sorgen für die Reichsan-
gelegcnheiten und mitten im Getümmel der Waffen, zu der stillen
und klaren Besonnenheit gelangen würde, mit welcher er Betrach-
tungen über seine Lage, mit Beziehung auf die Gottheit anstellte.
Allein was Menschen nicht erwarten, das führt sehr oft Gottes
gnädige Vorsehung herbei.
Der äußere Drang der Umstände ward ihm, wie cr es Tau-
senden schon ward, Anlaß zum Gefühle innern, höheren Bedürf-
nisses. Er war inne geworden sagt der Geschichtschreiber, daß er
eines über Heeresmacht erhabenen Beistandes bedürfe. Die Nichtig-
keit der Götzen und dcr Zauberkünste, denen die Kaiser seiner Zeit
umsonst vertraut hatten, leuchteten ihm ein. Er wandte sich deß:
wegen mit Gebeth an den Gott der Christen. Und nicht umsonst
sichte er zum lebendigen Gott! Eines Nachmittags, als er mit
dem Kriegsheere durch Gallien zog, sah er am Himmel über der
Sonne ein leuchtendes Kreuz mit der Ueberschrift; „Durch dieses
siege!" Staunen ergriff ihn, und das ganze Heer, welches, so
wie er, die Erscheinung sah. Er sann hin und her über dn'-
seö Gesicht. In folgender Nacht erschien ihm Christus mit dem
Kreuzzeichcn, und befahl ihm ein Abbild desselben, sowie er ain
Himmel es gesehen, auf eine Fahne zu setzen zum Schutz wider
die Feinde.
Frühe Morgens stand Constantin auf von seinem Lager, ließ
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen