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unter den Kaisern Julian und Valens. 7t
Julian war mit sehr günstigen Anlagen geboren. Sein Geist
war lebhaft, seine Einbildungskraft blühend, sein Gedächtniß be-
wahrte, was er mit lebhaften Verstande schnell erfaßt hatte. Er
war von Natur milde, gütig, freigebig, in hohem Grade tapfer,
und strenge gegen sich selbst in seinen Sitten, dabei neigte sich
aber sein Geist zur Schwärmerei und sein Herz hatte großen Hang
zur Eitelkeit. Als Knabe ward er dem Eusebius, Bischöfe von
Nikomcdien, anvertraut. Es wurden ihm zwar christliche Lehrer
gegeben, die aber, wie Euscbius selbst, den arianischen Irrthü-
mern anhingen, wcßwegen ihm das Christenthum in seiner gött-
lichen Einfalt nicht einleuchten, nicht ihn der Geist der Liebe,
welcher ihr eigenthümlicher Geist ist, durchdringen konnte.
Als er zwölf Jahre alt war, starb Eusebius, und Julian
wurde mit seinem Bruder Gallus von einem Orte Bithinicns zum
andern gesandt, bis Constantius bciQe im Jahre 345 nach Mar-
ccllum bringen ließ, wo sie sechs Jahre blieben, zwar eine präch-
tige Hofhaltung hatten, aber auf Anordnung des mißtrauischen
Kaisers von Kämmerlingen strenge bewacht wurden. Julian war
Ehrist bis in sein zwanzigstes Jahr, in welchem cr die Erlaubniß
erhielt nach Constantinopel zu gehen, wo cr sich den Wissenschaften
mit großem Fleiße widmete, sich aber von dem heidnischen Aber-
glauben einnehmen ließ, und der christlichen Religion in seinem Her-
zen entsagte, gleichwohl aus Mcnschenfurcht sie äußerlich zu beken-
nen fortfuhr. Im Jahre 355 wurde er nach Mailand, wo der
Kaiser Eonstantius sein Hoflagcr hielt, berufen, von diesem zum
Cäsar ernannt, und bald darauf nach Gallien geschickt, wo cr im
Jahre 360 von den Soldaten zum Kaiser ausgerufen wurde.
Am 3ten November des Jahres 361 starb Constantius und
Julian erlangte die Alleinherrschaft über das ganze römische Reich,
sowohl im Morgen- als im Abendlandc. Bisher hatte cr sich immer
noch den Schein der Anhänglichkeit an das Christenthum gegeben;
aber jetzt ließ cr seiner schwärmerischen Verehrung für die heidni-
schen Götter freien Lauf. Er befahl die verschlossenen Tempel wie-
der zu öffnen, wieder zu opfern, wieder herzustellen den Götzen-
dienst. Mit seinem Beispiele gieng cr den andern voran, wozu
ihm die angenommene Würde eines Oderpriesters willkommenen Be-
ruf und erwünschten Anlaß gab. Es genügte seinem Eifer nicht,
selbst priesterlich die Schlachtopfer zu erwürgen, und, indem sein
Blick nach Zeichen der Zukunft forschte, mit den Händen in den
rauchenden Eingeweiden zu wühlen; cr verrichtete auch die niedrig-
sten Dienste, mit kleinlichter Geschäftelci schleppte er das Holz hin-
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen