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72 Verfolgung der Kirche Jesu Christi
zu, zündete die Gluth und hauchte sie an. Dadurch ward er selbst
den Heiden manchmal lächerlich.
Den heidnischen Priestern und Zeichendeutew gab cr Anwei-
sungen auf gewisse öffentliche Abgaben, erneuerte die ihnen von
Constantin genommenen Freiheiten von öffentlichen Bürden, indem er
zugleich die christliche.. Geistlichen dieser Freiheiten beraubte. Er
nahm den gottgewidmcten Jungfrauen und den armen Wittwen
die Einkünfte, so Constantin ihnen geordnet hatte, ja sie mußten
wieder herausgeben, was sie empfangen hatten. Er zwang diese:
nigcn, welche die heidnischen Tempel zerstört hatten, sie aus ihre
Kosten wieder auszubauen. Die Untersuchungen über die Zerstö-
rung der Tempel veranlaßte viele, an Bischöfen und an Priestern
verübte Grausamkeiten. Auch wurden viele Kirchen ihrer Gefäße
und ihrcs Schmuckes beraubt. So sehr Julian aber auch bemüht
war das Christenthum zu zerstören, und auf dessen Trümmern das
Götzenthum wieder aufzurichten, so wollte er doch nicht, daß die
Christen, als solche, geradezu verfolgt und zum Abfalle gezwun-
gen würden. Er war von Natur nicht grausam, und strebte nach
dem Ruhm der Menschenfreundlichkeit. Durch die Erfahrung von
drei Jahrhunderten hatte er sich belehren lassen, daß die Verfol:
gung den Eifer der Christen vermehre, daß die Beispiele des .Hel-
denmuthes und der Liebe, so die verfolgten Christen gezeigt, die
Bewunderung selbst den Heiden abgewonnen, und deren so viele
Tausende dem Götzendienste entrissen. Er sagte daher, man muffe
die Christen überzeugen und belehren, nicht mit Streichen noch
schmählicher Beleidigung sie mißhandeln.
Man würde indessen sehr irren, wenn man glaubte, daß Ju-
lian kein anderes Mittel, die Christen zum Götzendienste zu bewe-
gen, als Belehrung und Ueberzeugung angewendet habe. Er suchte
bald durch Liebkosungen, durch Verheißungen, durch Vortheile je-
der Art sie anzulocken, bald auch durch mancherlei Kränkungen das
Leben ihnen zu verbittern. Manchmal griff er auch zu harten Mit-
tel», wenn er einen Vorwand dazu finden konnte. Der heilige
Gregor von Nazianz sagt: „E r vermied die Grausamkeit des Dio-
„kletians, aber enthielt sich nicht gänzlich der Verfolgung; denn
,, Verfolgung nenne ich es, wenn Menschen, die sich ruhig verhal-
„ten, auf irgend eine Weise beunruhiget werden." Die Statthal-
ter der Provinzen wurden ihrer Würden entsetzt wenn sie Christen
waren, unter der grundlosen Beschuldigung, ihre Religion erlaube
ihnen nicht, Missethäter am Leben zu strafen. Nach Maßgabe sei:
nes Vermögens wurde jeder zu einer Geldbuße verdammt, der
nicht opfern wollte. Von vielen Soldaten erkaufte er den Abfall
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen