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90 Das Fest aller Heiligen.
in Frankreich im Jahre 506 gehaltene Kirchenversammlung nennt
folgende Feste: „Der Geburtstag des Herrn, die Erscheinung
„desselben, Ostern, die Himmelfahrt des Herrn, Pfingsten und die
„Geburt des heiligen Johannes des Täufers;" und setzet bei:
„Wenn noch einige sehr wichtige Tage gehalten werden, soll es
„nur in Städten, oder in Pfarreien geschehen." Erst in den fol-
genden Jahrhunderten wurde die Zahl der Feiertage von Zeit zu
Zeit vermehrt, dadurch aber auch die wahre gottgefällige Feier der-
selben vermindert. Sie dienten meistens zur Ergötzung bei Essen,
Trinken, Spiel, Tanz und andern müßigen Unterhaltungen, wobei
die Ausschweifung aller Art, und das Sittenverderbniß überHand
nahm. Aus dieser Ursache hat die Kirche die Zahl der später ein-
geführten Feiertage wieder eingeschränkt, und es besser zur Ehre
Gottes, und zur Liebe des Nächsten befunden, daß man diese Wo-
chentage wie vormals, seinen bürgerlichen und christlichen Berufs-
geschäften widme. Wenn nun manche glauben, daß es dennoch des:
ser wäre, diese Tage nicht zu arbeiten, und sich für die Feier der»
selben bei andern beeifern, so verachten sie dadurch das Urtheil der
heil. Kirche, sie wiederstreben der heilsamen Anordnung des kirchli-
chen Oberhauptes, der Bischöfe, und der christlichen Landcsfürstcn,
die nach geschehener reiflicher Berathschlagung für das Arbeiten ge-
stimmt haben. Sie machen sich durch ihren falschen Eifer des
pharisäischen Hochmuthes, des Eingriffes in die höhere Gewalt,
der es allein zukommt, Feiertage zu setzen, auf die strafbarste
Weise schuldig, und nehmen ihrer Seils Theil an fremden Unge-
horsam, an der Vernachlässigung der häuslichen Pflichten, an der
Verkürzung so vieler Armen um ihren nothdürftigen Taglohn, an
der Wersäumniß der Gottesgabcn, und an allen den Ausschweifun-
gen, die der Müssiggang, und die all zu vielen Lustbarkeiten zum
stets überHand nehmenden Sittenvcrderbniß nach sich ziehen.
Du, mein Christ! nehme an diesem Uebel ja keinen Antheil,
sondern suche vielmehr durch Achtuug und Gehorsam gegen die An-
ordnungen der Kirche ihren Segen zu verdienen. Nidme nach dem
Beispiele der alten Christen diese Tage der christlichen Berufsarbeit.
Erinnere dich des Gebothes: „Sechs Tage sollst du arbeiten und
„deine Werke thun." Denke aber auch während deiner Arbeit
fleißig an Gott, und opfere deinen Fleiß, Schweiß, und deine
Mühe seinem Wohlgefallen auf. Durch solches öftere Andenken au
Gott stärkest du dich in der Ehrfurcht, in der Liebe und in dem
Gehorsame zu ihm, beweisest gegen dich und dein Haus, wie der
Apostel sagt, deine liebreiche Sorgfalt, bleibst mit deinen Kindern
und Untergebenen in frommer häuslicher Ordnung und Zucht, und
solcher Gestalt heiligest du durch die Erfüllung deiner Pflichten,
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen