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Das Fest aller Heiligen. 93
Ehre zu bezeigen Gott dem Herrn, von dem die Heiligen alle kost-
baren Vorzüge, derer sie genießen, empfangen haben. Bitten wir die-
selben, so bitten wir sie um nichts anderes, als daß sie bei Gott für
uns fürsprcchen wollen. Wenn man demnach die Heiligen verehrt, so
verehrt man Gott in ihnen, und durch sie; — man verehrt Jesum
Christum den Gottmenschen, den Heiland der Welt, den König der
Heiligen, den Urheber ihrer Heiligkeit und ihrer Herrlichkeit. In
seinem Blute haben sie ihre Kleider gewaschen, ihm haben sie die
Heiligung und die Verherrlichung zu verdanken. Ihre Tugenden
halten wir für Abbildungen des göttlichen Urbildes, die er ihnen
durch die Ausgießung des heiligen Geistes, durch seine Gnade her-
vorgebracht hat. Wir bewundern das verborgene Leben Jesu an
der Einsamkeit der Einsiedler, seine unbefleckte Reinigkeit an den
Jungfrauen, seine Geduld und seine Liebe an diesen, seinen Seelen-
eifer an jenen; an allen insgesammt einen Grad von der Fülle der
Tugend und Heiligkeit, die ihm allein zukommt. Nicht nur Abbil-
dungen des Geistes und des Lebens Jesu Christi sind die Tugenden
der Heiligen, sie sind auch der Werth seines Blutes, sie sind seine
Gaben, seine Gnaden. Da wir die Heiligen verehren, verehren
wir denjenigen, welcher der Urheber aller Heiligkeit ist, so daß
man sagen kann, alle Feste der Heiligen seyen eingesetzt zu ver-
herrlichen — Gott und Jesum Christum.
Die würdigste Verehrung der Heiligen ist die Nachahmung
ihrer Tugenden. Paulus ermahnt die Hebräer: (Hebr. 13, 7.
lind 12, 1.) ,,Erinnert euch an eure Lehrer, welche das Wort
, Gottes zu euch geredet haben, betrachtet den Ausgang ihres Wan-
dels, und ahmet ihren Glauben nach." ,,Da wir eine so große
, Menge Zeugen allenthalben vor uns haben, so laßt uns alles
,Beschwerende, und die uns umgebende Sünde ablegen, und mit
,Geduld auf der uns angewiesenen Laufbahn fortlaufen." Die
Beispiele der Tugend haben, gleich dem Magnete, eine anziehende
^raft. Sie wirken mächtig auf die Seele des Menschen. Die
schönsten Lehren, die nachdrücklichsten Ermahnungen vermögen nicht
was sie vermögen. Wenn wir nun das Leben der Heiligen betrach-
ten, unser Leben mit demselben vergleichen, und den großen Ab-
stand zwischen ihnen und uns bemerken, wie sehr müssen wir da-
durch beschämt werden, und wie kräftig soll diese Scham uns an-
treiben zum Entschlüsse, künftig ihnen ähnlicher zu werden? — Der
sinnliche Mensch sund sinnlich sind wir alle) entschuldiget seine Sün-
den und Laster gerne mit seiner schwachen Natur, mit der fehler-
haften Erziedung, mit den Reihen der bösen Beispiele, und mit
der Manigfaltigkeit und Stärke der Versuchungen zur Sünde. Nun
waren aber die Heiligen auch gebrechliche Menschen, wie wir, den
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen