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94 - Das Fest aller Heiligen.
nämlichen und oftmals „och größern Versuchungen ausgesetzt, mit
einem schwachen sĂĽndigenden Fleische geboren, in einer Welt voll
Gefahren und VerfĂĽhrungen, wie wir es sind. Konnten sie fromm
und heilig leben, so können wir es auch. Der gute Wandel, den
die Heiligen in diesem Erdcnlebcn geführt haben, ist der stärkste
Beweis von der Möglichkeit tugendhaft zu werden, und in allen,
auch in den härtesten Versuchungen, dcr Tugend getreu zu bleiben,
wenn wir uns nämlich eben so viele Mühe geben wollen, als sie
sich gaben.
Der EinfluĂź der Heiligenverehrung auf unsere Vervollkomm-
nung wird um so größer seyn, je eifriger wir bemüht sind, uns
die Lebensgeschichten derjenigen cben so oft als lebhaft vor Augen
zu stellen, welche nach dem Stande, und nach den Verhältnisse»,
in denen sie auf dieser Erde gelebt und gckämpft haben, mit dem
Stande, und mit den Verhältnissen, in denen wir leben, überein-
stimmen. — Aber auch das Vorbild solcher Heiligen, welche in
Verhältnissen lebten, die mit den unsrigcn gar nichts gemein ha-
bn , kann, und soll uns antreiben, ihren Glauben, ihr Vertrauen
und ihre Liebe zu beherzigen, um dadurch unsern Glauben, unser
Vertrauen Und unsere Liebe zu entstammen.
Nicht alles, was die Heiligen hienieden gethan haben, kann
ein Muster seyn, wornach wir uns bilden sollen. Sie waren dem
Irrthume unterworfen, waren nicht heilig, sondern strebten nur es
zu seyn. Aber gerade dieses Streben, dieses unter eben den Hin-
dernissen, oder wohl noch größern, fortgesetzte Streben soll unser
Beispiel seyn, und unsere Achtung gegen sie begrĂĽnden. Sind sie
nicht Beispiele der Nachahmung, so sind sie doch Beispiele der
Nachfolge.
Die Anrufung der Heiligen grĂĽndet sich auf den Glaubensar-
tikel von der Gemeinschaft der Heiligen. Sie waren Menschen, wie
wir, sie hatten mit Leiden und Widerwärtigkeiten zu kämpfen, wa-
ren den Reitzungen zur SĂĽnde, und den Versuchungen ausgesetzt,
wie wir. Sie kennen den Kampf, den die Kinder Gottes, so lange
sie in diesem schwachem Fleische sind, zu bestehen haben, und die
Gefahren, welche den schwachen Gefäßen, in denen sie ihren Schatz
tragen, von allen Seiten drohen. Die heilige Liebe — Gottes
und des Nächsten — war die Seele ihres guten Wandels auf der
Erde. Diese Liebe ist mit ihnen nicht gestorben; sie haben sie mit
sich hinĂĽbcrgenommen in die andere Welt. Der Tod hat die Bande
der Vereinigung zwischen ihnen und uns nicht getrennt. Sie ge-
hören noch immer, mit uns, zu cincr, und der nämlichen Kirche,
deren Haupt Christus ist, nur daĂź sie in der triumphirenden, wir
aber noch in der streitenden Kirche sind. Werden sie wohl gleich-
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen