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Das Fest aller Heiligen. 95
gültig seyn, ob wir, ihre Brüder, — wir, die Glieder des nam-
lichen Leibes, zu dem sie gehören, den Kampf hicnieden gut vol-
lenden, oder nicht? Wird nicht vielmehr, da sie nun außer der
Gefahr sind, wir aber noch in derselben schweben, ihre Liebe zu
uns noch erhöhet werden? Und da sie uns zwar nicht mehr auf
eine Art, wie sie auf der Welt waren, zum Guten helfen können,
werden sie nicht desto mehr bewogen seyn, ihre Liebe zu uns Gott
zu erkennen zu geben, und ihn zu bitten, daß er uns mit seiner
Gnade verhilsiich sey, auch uns zur Heiligkeit und Seligkeit zu
bringen? Und wird wohl Gott ihre Fürbitte für ihre noch streiten:
den Mitbrüder mißfällig ansehen, und sie darum abschlagen? Wenn
Gott die Fürbitte der Erdenkinder erhört, um wie viel mehr jene
seiner Heiligen? Diese haben einen guten Willen, und wollen also
nur, was zu unserm wahren Heile ersprießlich ist: will dieses nicht
auch Gott? Ist nicht darum schon ihre Fürbitte für uns bei Gott
gewährt? Wie angenehm und wohlgefällig muß und wird diese
Liebe zu ihren auf Erde noch streitenden Mitbrüdern, diese Fürbitte
der Heiligen dem lieben Gott seyn? Wird er „Ne in" dazu sagen?
Die Heiligen nehmen Antheil an unserem Heile, darum sind
wir auch gedrungen, unsere gute Gesinnung in Ansehung ihrer liebe-
vollen Theilnahme an unserem Heile zu erkennen zu geben, d. i.
w i r rufen die He i l igen an. Wissen wir, daß unser Bruder,
unser Freund, unser Nachbar an unserem Sicksale warmen Antheil
nimmt, so eilen wir sogleich zu ihm, um ihm die glücklichen und
unglücklichen Ereignisse, die uns getroffen haben, vorzutragen, und
mitzutheilen. Die Heiligen sehen mit sorgfältiger Liebe auf uns
herab, und wir blicken mit vertrauensvoller Liebe zu ihnen hinauf,
— soll solche Geschwisterliebe dem Vater der Liebe nicht gefallen?
Wird er das Flehen der Liebe unerhört lassen?
Ein großer Irrthum wäre es aber, und die größte Sünde
gegen Gottes Allwissenheit, wenn wir glaubten, wir müssen die
Heiligen deßwegen anrufen, damit sie Gott erst in Kenntniß von
unseren Bedürfnissen und Anliegen setzen. Jesus sagt: , ,Der
Vater weiß, was ihr bedür fe t ! " Oder sollte es der All.
wissende nicht unendlich besser wissen^ils alle Heilige zusammenge-
nommen? Eben so wenig dürfen wir meinen, daß die Heiligen
Gott erst bewegen, in ihn dringen müßten, unsern Bedürfnissen ab:
zuhelfcn. Gott ist ja unser Vater, dessen Liebe und Güte die
Liebe aller Heiligen unendlichmal übertrifft! Es ist auch gar nicht
vernünftig zu glauben, das gewisse Heilige für gewisse Nöthen be-
stimmt seyen; z. B. der heilige Florian für das Feuer, der heilige
Donatus für den Blitz u. s. w. Dem lieben Gott sind alle Hei-
ligen lieb, weil sie alle gut sind. Es haben freilich nicht alle ih-
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen