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90 Das Fest aller Heiligen.
ren guten Willen auf gleiche Weise, in gleichen Handlungen dar-
gestellt. Dieser am Pfluge, jener am Schreibtische, dieser mitten
im Getümmel der Welt, jener inner vier Mauern, und in der Ein:
samkeit und Wüstenei, dieser am Kreuze, jener am Krankenbette,
jener durch diese, dieser durch jene Marter. Ungeachtet dessen darf
man sich nie an die Handlungsweise heften, außer in wieferne
diese oder jene nach unserem Stande, oder nach unsern Verhalt:
nisten zur Nachahmung dienlicher ist; sondern jedesmal auf den gu-
ten Willen bloß allein. Nicht nach jener schätzt Gott das Gute,
sondern nach dem guten Willen, er mag sich in Purpur, oder in
Leinwand, im Soldatenrocke oder im geistlichen Stande, im Feuer
oder im Wasser erprobt habe».
Der Grund der Anrufung der Heiligen ist also kein anderer
als die Liebe, mittels welcher wir mit den Heiligen in Verbindung
stehen. Wir wollen dadurch nichts anderes zu verstehen geben, als
daß sie unsere Brüder und Freunde sind, die wir lieben, und mic
denen wir gemeinschaftliche Sache machen wollen. Von der Anru-
fung der Heiligen sagt Origines: „Hat man die Gewogenheit
„Gottes erlangt, so folgt gleich die Gewogenheit seiner Freunde
„darauf, der Engel, Seelen und Geister. Sie erkennen diejeni-
„gen, welche der göttlichen Gnade würdig sind, und lieben sie;
„auch denen, welche dem höchsten Gott dienen wollen, stehen sie
„bei, und erwerben ihnen seine Gnade; sie bethen und wünschen
„mit ihnen. Wir dürfen daher behaupten, daß, wenn Menschen,
„welche sich zum Guten entschlossen haben, Gott anstehen, unzäh-
„liche heilige Mächte mit ihnen bethen." 8. B. — Der heilige
Chrisostomus ermähnet in seiner 4ten Homilie von der Buße seine
Zuhörer, sie sollen sich befleißen, die Tugenden der Heiligen nach:
zuahmen, und Gott durch einen heiligen Sinn und Wandel zu
ehren. „Gott allein gebührt Anbethung. Bei den Menschen muß
„man sich, um sie zu erbitten, öfters an ihre Thürhüter und Die-
„ner wenden, und einen langen Weg gehen; bei Gott aber findet
„sich nichts dergleichen. Zu ihm kann man ohne Mittelpcrson,
„ohne Aufwand, und ohne Kosten kommen. Man muß daher in
„keiner Angelegenheit bei MMschen seine Zuflucht nehmen, sondern
„allen Umweg vermeiden und bei dem Arzt der Seelen Hilfe
„suchen."
Rufen wir die Heiligen um ihre Fürbitte an, so darf dieses
nie anders geschehen, als mit de« vollkommensten Ergebung in den
Willen Gottes, und mit dem eifrigsten Bestreben auch selbst zu
thun, was wir können, und so viel in unsern Kräften ist.
Willst du, mein Christ! das heutige AUerhciligenfest würdig
feiern, so sollst du:
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen