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Das Fest aller Heiligen. 97
1. Gott loben und preisen, daß er, nach seinem Wohlge-
fallen, so viele Heilige zur Tugend, Heiligkeit und Glückseligkeit
geführt hat. Sie folgten, da sie als Menschen hienieden lebten,
nicht dem Bösen, wozu die angcborne Sinnlichkeit sie reihte, son-
dern dem Guten, wozu Vernunft, Gewissen und göttliche Offen-
barung sie rief; sie übten in der menschlichen Schwachheit große
Tugenden aus, bewahrten ihre Unschuld, und blieben in Versu-
chungen, Drangsalen, Verfolgungen und Leiden Gott getreu, oder
kehrten, wenn sie verirrt waren, durch den rauhen Weg der Buße
zu ihm zurück. Er unterstützte sie mit seiner Gnade, reinigte und
heiligte sie von der Sünde, und würdigte ihre guten Werke durch
das Verdienst Jesu. Nun belohnt er sie an jenem seligen Orte,
wo sie erhaben über Sünde und Schwachheit, frei von Anfechtun-
gen, Trübsalen und Leiden, getrost in Gott und ewig selig leben.
2. Dich erinnern, daß du zu gleicher Seligkeit berufen bist.
Gott unterstützet dich gleichfalls mit seiner Gnade, daß du, wie sie,
in der menschlichen Schwachheit den Weg der Tugend und Unschuld
zur Heiligkeit und Glückseligkeit wandeln kannst. Laß dich durch
das Beispiel der lieben Heiligen ermuntern, so tugendhaft und
gottgefällig zu leben, wie sie. Das ist der Wunsch der Heiligen,
und auch die beste Verehrung und Liebe, die du ihnen erzeigen
kannst. Wenn du mit dieser Gesinnung den Heiligen zu ihrer
Seligkeit Glück wünschest, so bist du versichert, daß sie ihrer Seits
dich lieben, und für dich den Wunsch zu Gott haben, er wolle
dich würdig machen, einst in ihrer Gesellschaft an der unaussprech-
lichen ewigen Belohnung Theil zu nehmen.
3. Beherzigen, daß die katholische Kirche, dir an diesem
Tage Heilige jedes Alters und jedes Standes vorstellt, um dich zu
überzeugen, daß man in jedem Stande seine Heiligkeit wirken könne.
Nicht auf den Stand, in dem man lebt, sondern auf die Art, wie
man in demselben lebt,'kommt alles an. Es ist kein Stand in
dem man nicht sein Heil erlangen, in dem man es nicht verlieren
könnte. Nicht außerordentliche Thaten sind erforderlich zur Heili-
gung; wohl aber das ist unerläßlich, daß jeder mit sorgfältiger
Treue das wirke, was ihm sein Berllf als Pflicht anweiset. —
Entflamme an den Glauben, an der.Hoffnung, an der Liebe der
Heiligen deinen Glauben, deine Hoffnung, deine Liebe, denn diese
sind es, die dem Menschen jedes Alters und jedes Standes die
Seligkeit sichern.
4. Deinen Geist erheben zur freudigen Betrachtung des seli-
gen Zustandes, den die Heiligen jetzt in der Anschauung Gottes,
und in der Gemeinschaft Hes gebenedeiten Erlösers Jesus Christus
genießen, und belebe dadurch deinen Eifer in der Tugend, deinen
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Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen