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Auf den Tag aller Seelen. 99
ist aber auch eben so unendlich barmherzig, er will ihnen verzeihen,
und solche, obschon aus eigener Schuld mangelhaft Gute selig ha-
ben. Wie könnte er die verwerfen, die ihn wahrhaft und unge-
heuchelt lieben, und sie, deren Gesinnung gut und heilig ist, we-
gen ihren kleinen Fehlern auf ewig verstoßen? Dieß ließe sich
schlechterdings nicht mit seiner Güte und Barmherzigkeit vereinba-
ren. So wahr es also ist, daß Gott gerecht und barmherzig ist,
und folglich solche mangelhaft Gute — aus eigener Schuld, nach
ihrem Tode weder sogleich in den Himmel aufnehmen, noch aber
in die Höhle verstoßen kann; eben so wahr ist es auch, daß sie
in jener Welt ihre abgängige Genugthuung, die sie hier aus eige:
ner Schuld zu leisten unterlassen, und die durch die Verdienste Jesu
Christi nicht gehoben werden kann, noch nachtragen können, und
auch leisten muffen. Deßwegen lehrt auch die katholische Kirche,
daß sie dort in jener Welt das, was sie hier an ihrer Buße aus
geringer Schuld haben ermangeln lassen, ersetzen muffen. Dieser
Zustand heißt das Fegfeuer, weil da die Seelen von ocn ihnen
noch anhängenden Mängeln und Mackeln, wie das Gold im Feuer,
gerciniget werden.
Diese Lehre von einem Fegfeuer, oder Reinigungsort ist vor-
züglich in der christkatholischen Erblehre, und in dem Ansspruche
der getreuen Aufbewahrerin derselben, der Kirche, welche in Glau-
benslehren unfehlbar ist, gegründet. Aber auch in den heiligen
Schriften finden sich ganz unzweideutige Hinwcisungen auf dieselbe.
Christus lehret ausdrücklich bei Matth. 12, 32., daß die Sünde
wider den heiligen Geist weder in diesem noch in dem andern Le-
ben werde nachgelassen werden. Dadurch zeigt er an, daß es Sün-
den gebe, die auch nach diesem Leben Vergebung erhalten. Der
Zustand, wo dieses geschieht, ist weder der Himmel, noch die Hölle,
also ein Mittelort. Der Apostel Paulus sagt im Briefe an die
Korinther, daß wir zwar alle nach der Vorschrift Jesu Christi
handeln müßten, und vergleicht unsere Werke mit Gold, Silber,
Edelsteinen, Hoiz, Heu und Stoppeln. Einst am Tage des Herrn,
spricht er, würde es offenbar werden, wie die Werke eines jeden
beschaffen seyen, und zwar durch das Auer; dessen Werke brennen,
der würde zwar Schaden leiden, aber doch seli^ werden, wie im
Gegentheile jene geradezu die Belohnung erhalten, deren Werke,
wie das Gold, Silber und Edelsteine, im Feuer bestehen. Im
zweiten Buche der Machabä'er 12, 46 heißt es: „ E s ist ein heil?
„samer und hei l iger Gedanke für die Verstorbenen
,,zu bethen, damit sie von ihren Fehlern befreiet
„we rden . "
Wo das Fegfeuer sey, wie lange die Seelen allda aufgehal»
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Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen