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100 Auf den Tag aller Seelen.
ten werden, davon wissen wir so wenig, als von der Beschaffen:
heit dieses Reinigungsortes, oder von den Mitteln, durch welche
sie zum Genusse der himmlischen Seligkeit vorbereitet werdcn. Das
größte und empfindsamste Leiden der armen Seelen besteht gewiß
darin, daß sie von der Anschauung Gottes, des höchsten Gutes,
an dem sie jetzt ihr einziges Wohlgefallen haben, nach welchem sie
unaufhörlich verlangen, und mit der höchsten Sehnsucht streben,
der jetzt der einzige Gegenstand ihrer brennenden Liebe ist, und von
den Freuden der ewigen Seligkeit, von der Gemeinschaft der aus:
erwählten Freunde Gottes eine Zeit lang zurückgehalten sind, was
sie um so mehr schmerzen muß, da sie sich dieses selbst zuschreiben
müssen. Welche Qual, welches Leiden! Was ist wohl jenes dage:
gen, wenn man dürstet, Wasser sieht und hat, und — nicht trin-
ken darf? Welche andere Qualen die Seelen im Fegfeucr erdul-
den müssen, wissen wir nicht. Soviel ist gewiß, daß es geistige
seyn müssen, und keine körperliche seyn können, weil die Seelen im
Zustande ihrer Reinigung vom Körper getrennt sind. Wenn also
die Leiden des Fegfeuers in Büchern, und sonst bisweilen vorge-
stellt werden durch ein wirkliches irdisches Feuer, und durch andere
Arten der Peinigung, welche in unserem gegenwärtigen Zustande
die schmerzlichsten sind, so sind dieses nichts anderes, als bildliche
Vorstellungen, durch die man die Größe der Qual, in der die ar-
men Seelen sich befinden, anschaulich machen will. Die Schmer-
zen, die unserm Körper durch Feuer und andere der quallvollsten
Peinigungen hienieden angethan werden können, sind klein gegen
das, was eine Gott liebende Seele durch die Beraubung der An-
schauung Gottes leidet.
Die katholische Lehre von einem Reinigungsort ist eben so er-
freulich als trostvoll. Auch im künftigen Leben noch sorgt Gott
für menschliche Schwachheiten, um uns ja ganz gewiß zu ihm zu
bringen. Auch dort noch, jenseits des Grabes verschafft er uns
Gelegenheit die Fehler abzubüßen, welche auch bci einer überwie-
gend und herrschend guten Gesinnung die menschliche Schwachheit
begeht. Wie traurig wäre es für uns, wenn Gott diese Anstalt
nicht getroffen hatte, da etwas Unreines in's Himmelreich schlechter-
dings vicht eingehen kann'?
Wie unendlich barmherzig und langmüthig ist Gott?
Aber auch seine strenge Gerechtigkeit können wir nicht verken-
nen, wenn wir bedenken, daß er auch die kleinsten Fehler nicht
ungeahndet hingehen laßt, daß er sogar diejenigen von seiner An-
schauung zurückhaltet, welche er wirklich liebt, die ihn lieben, und
seine guten, obschon nicht vollkommen guten Kinder sind. Wie
sehr muß doch der heiligste Gott das Böse hassen, und verabscheuen!
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen