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Auf den Tag aller Seelen. 10 l
Wie sehr soll also diese Lehre uns zur Warnung dienen, ja
nicht leichtsinnig zu seyn, auch bei den geringsten Fehlern uns sorg-
fältig in Acht zu nehmen, sie nicht etwa für nichts, oder für et:
was Unbedeutendes anzusehen? Wie sehr sollen wir uns befleißen,
auch die geringen Fehler immer weniger werden zu lassen, und uns
ganz vor ihnen zu hüten?
Die Seelen im Fegfeucr sind unsere Mitbrüder, Gottes und
unsere Freunde, sind in der Gnade Gottes gestorben, und voll der
Hoffnung ihres Heils auf dem Wege in die ewige Seligkeit einzu-
treten. Folglich stehen auch sie mit uns in Gemeinschaft, und es
ist unsere Pflicht, unsere Gemeinschaft mit ihnen und unsere brüder-
liche Theilnahme an ihrem Icidensvollen Zustande erkennen zu geben.
Dieses können und sollen wir
1. D u r ch G e b e t h. Denn wir sind verbunden, sie zu
lieben, auch ohne alle Rücksicht auf besondere Verhältnisse, weil sie
von Gott auserwählt sind, an seiner Seligkeit Theil zu nehmen,
wozu auch wir bestimmt sind, und weil sie Gottes Freunde und
unsere Mit^rüder sind. Die Liebe des Nächsten muß alle Menschen
befassen, alle umfangen. Diese Pflicht wird noch erhöhet durch die
Pflicht der Dankbarkeit, zu welcher uns besondere Verhältnisse, als
jenes der Eltern, Ehegatten, Geschwister, Anverwandte, Wohlthä-
ter u. s. w. auffordern. Sie fordert, daß wir uns ihrer dankbar
erinnern und diese Erinnerung auch wcrkthätig zeigen. Können wir
wohl diese Liebe und Dankbarkeit besser zu erkennen geben, als
wenn wir zu jenem Zuflucht nehmen, in dessen Hand sie stehen,
und ihn also bitten, daß er sie von ihren Leiden bald erlösen wolle,
daß sie das, was sie hier zu leisten aus eigner Schuld vernachläs-
siget haben, und also dort noch leisten müssen, durch seine Gnade
unterstützt, bald zu Stande bringen, und so vom Fegfcuer erlöset
in ihre volle Seligkeit eingehen möchten. ,,Das Gebeth des Ge:
„rechten vermag sehr viel." Jakob 5, 16.
2. Durch O p f e r , und insbesondere durch das heilige
Meßopfer. D: 'n um was wir immer bitten, bitten wir durch die
Verdienste Jesu <Zhristi. Jederzeit sollen wir den Vater in seinem
Namen bitten, dann wird uns gegeben werden. Durch Jesum er-
halten wir, und unsere verstorbenen Mitbrüder Gnade und Barm-
herzigkeit. Nun aber wiro das Andenken der Verdienste Jesu in
der heiligen Messe nicht nur erneuert, sondern das Opfer selbst, das
er einst auf eine blutige Weise am Kreuz' vollbrachte, auf eine un-
blutige Art dargebracht. Soll dieses unblutige Opfer, da es das
nämliche ist, unwirksamer seyn, als jenes, welches die Menschen von
Schuld und Strafe erlöste, und jene kleine Fehler, deren die See-
len im Fegfeuer sich hier schuldig machten, nicht tilgen können?
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen