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102 Auf den Tag aller Seelen.
Darum pflegt auch die Kirche bei der heiligen Messe sich der Ver-
storbenen zu erinnern, sollen wir nicht unsere Gesinnung mit der
ihrigen vereinigen?
3. Durch gute W e r k e , welche zum Troste unserer
verstorbenen Mitbrüdcr gereichen. Denn Gott sieht immer auf die
gute Gesinnung, und auf die Liebe, welche den Menschen zum Han-
deln bestimmt. Wenn wir nun in der guten Gesinnung, aus Liebe
zu unsern verstorbenen Brüoern etwas Gutes thun, was ist die
Ausübung solcher Werke anders, als die Darstellung unsers guten
Willens, welche Gott nicht anders, als wohlgefällig seyn kann und
seyn wird? Dicß leuchtet »och mehr aus der Beschaffenheit der Werke
ein, die wir ausüben, um gleichsam ihre Nacyloßigkeit zu ersehn
und gut zu machen. Sie sind noch nicht in dem Zustande ihrer
Seligkeit wegen Mangelhaftigkcit, die sie sich haben zu Schulden
kommen lassen; was können sie nun mehr wünschen, und wird es
nicht zu ihrem Troste gereichen, wenn wir das, was sie vernach-
lässiget haben, durch unsern Fleiß ersetzen? Sie haben in der Be-
förderung des Guten eine Lücke gelassen, wird es ihnen nicht zum
Troste seyn, wcnn wir sie statt ihnen ausfüllen, besonders da, wo
sie uns bekannt ist? z. B. Kinder wissen, daß sie allerlei Fehler
wegen der vernachläßigten Kindcrzucht ihrer Eltern an sich haben.
Diese müssen nun eben dieserhalb im Fegfeuer leiden. Wie können
die Kinder ihre Liebe zu ihren verstorbenen Eltern besser bezeigen,
als dadurch, daß sie ihre Fehler ablegen, besser werden, und so das
Mangelhafte ihrer Eltern wieder gut machen und ergänzen? Der
Vater war weniger mitleidsvoll, freigebig und liebevoll gegen Arme
und Dürftige, Kranke, Wittwen und Waisen, desto mehr soll es
sein noch lebender Sohn seyn, u. s. w. Wenn jemand eine Zah-
lung zu machen hat, so erweisen wir ihm den größten Dienst,
wenn wir seine Schuld tilgen. Solche Schulden haben die Ver-
storbenen im Fegfeuer hinterlassen. Welchen Dienst werden wir ih-
nen erweisen, wenn wir ihre Mangel aufheben, da sie es selbst zu
thun nicht mehr im Stande sind? Sie lieben und wollen das
Gute, und es schmerzet sie, daß sie nicht alles geleistet haben, was
sie hätten leisten können und sollen: wird es ihnen nicht höchst er-
wünscht und trostvoll seyn, wenn es nun durch Andere geschieht,
da es durch sie nicht mehr geschehen kann? Wenn wir aber auch
das Mangelhafte, warum sie in den Rcinigungsort leiden, bei ein-
zelnen Seelen nicht wissen, und auch nicht wissen können; so wissen
wir doch, daß sie wegen Fehlern zu büßen haben, welche sie ge-
gen die Liebe begangen haben, und wir können also diese Fehler
durch Werke der Liebe gut machen. Denn Liebe ist Gott wohlge-
fällig und angenehm. — Da dürfen wir aber nicht eigensinnig
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen