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Auf den Tag aller Seelen. 103
seyn und etwa glauben, das durch dieses oder jenes Gebeth gerade
diese oder jene arme Seele aus dem Fegfeuer erlöst werde; denn
davon hat uns Gott nichts gesagt, und wenn wir es auch noch
so gut meinen, so dürfen wir ihm doch nie etwas vorschreiben.
Wissen wir wohl was mit seinen weisen Absichten zusammenstimmt,
und in wie weit diejenigen, für die wir bethen und bitten, würdig
sind, die Gnade ihrer Befreiung zu erhalten'?
Die Erdlehre der katholischen Kirche vom Fegfeuer und von
der Verpflichtung für die Seelen der Verstorbenen zu bethen, ist
durch die Zeugnisse aller Jahrhunderte, und insbesondere durch die
seit d>'n ältesten Zeiten bestehenden kirchlichen Gebräuche bestättiget.
Im Buche vom Kranz der Soldaten schreibt Tcrtulian: „Wi r
,,bringcn am jährlichen Gedächtnißtag für die Verstorbenen Opfer."
Ein alter Ausleger des Buches Hiob schreibt in seinem 3 ten Buche:
„Am Tage, an welchem das jährliche Andenken an gestorbene El-
„tern oder Freunde, odcr andere Personen, welche im Glauben mit
„uns verbunden waren, begangen wird, werden Priester und Laien
„zusammengerufen. In dieser Versammlung wird zuerst den Ver-
„storbenen Glück gewünscht, daß sie als Christen von der Erde ge-
„schieden sind. Dann bittet jeder, daß ihm auch ein guter und
„ruhiger Ausgang zu Theil werde. Darauf werden die Almosen
„oder Opfer zusammengebracht, welche man unter die gcgenwärti-
„gen Armen, Waisen und Wittwen austheilt." In der Rede
vom Glauben an die Auferstehung sagt der heil. Ambrosius: „Wir
„kommen am siebenten Tag wieder zum Grabe; dieser Tag ist ein
„Sinnbild der künftigen Ruhe." Der heilige Cyrillus erklärt in
seiner neunzehnten Katechese den Täuflingen einige Gebräuche, und
spricht unter andern: „Wi r bitten dann auch für die gestorbenen
„heiligen Vater und Bischöfe, und überhaupt für alle, welche un-
„ter uns aus dem Leben abgeschieden sind, und glauben, dieß ver-
,,schaffe jenen Seelen die größte Hilfe."
„Wi r opfern ja für sie unser Gebeth auf, da jenes heilige
„und schreckbare Geheimniß ans dem Altare liegt." In der 41ten
Homilie über den ersten Brief an die Korinther sagt der heilige
Lhrysostomus: „Wenn ein Sünder gestorben ist, so muffen wir
„uns freuen, daß das Sündigen unterbrochen wurde, und zu den
„Fehlern nichts mehr hinzu gesetzt wird. Wir sollen ihm mehr mit
„Gebethen, Bittgängen, Almosen und Opfern zu Hilfe kommen,
„als mit Thränen. Diese Sachen sind ja nicht ohne Ursache ein-
„geführt, und wir gedenken in den göttlichen Geheimnissen der
„ Gestorbenen nicht vergebens. Wir gehen auch für sic hinzu, und
„bitten das vorgesetzte Lamm, welches die Sünden der Welt hin-
„weggenommen hat, daß ihnen hicraus Tröstung zustieße. Der-
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen