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112 Von den in der katholischen Kirche eingeführten Bittgängen.
Aachen festgesetzt, daß man die schon allgemein eingeführte Pro:
zesswn am 25. April uicht unterlassen solle. Dieser Tag war, wie
die in der Bittwoche, zugleich auch als Fasttag bestimmt. Der
siebente Canon der ingclheimischen Kirchcnversammlung im Jahre
948 heißt: „Be i >r größern Litaney, nämlich am 25. April, an
„dem Tage, welcher dem Evangelisten Markus gewidmet ist, soll,
„wie an den Bitttagen vor der Himmelfahrt des Herrn, gefastet
„werden."
Bei außerordentlichen Anlässen wurden manchmal Litaneyen
(Bittgänge) gehalten, abcr in den folgenden Jahren nicht fortge-
setzt. AIs zu Constantinopcl^ein fürchterliches Erdbeben entstanden
war, hat der Kaiser Thcodosius verordnet, die Christen sollen
Buße thun, und Litaneycn halten. Der heil. Gregor hat alle
Bischöfe Siciliens crmahnt, sie sollen in jcder Woche am Mittwoch
nnd Freitag die Litancy anordnen, und die Hilfe des göttlichen
Schutzes wider die Anfälle der barbarischen Grausamkeit anflehen.
Der frankische König Pipin hat an den Bischof Lullus, Nach-
folger des heil. Bonifacius geschrieben: „Es ist nothwendig, daß
„wir für diese (auf ein unfruchtbares Jahr folgte ein gesegnetes)
„und für andere uns erwiesene Wohlthaten Gott danken. Es war
„ ihm ja gefällig, seiner Diener sich zu erbarmen, und sie zu er-
„quicken. Daher scheint es uns billig, daß jeder Bischof in sei:
„nem Bezirke Litancyen, doch ohne Fasten anordne. Wir müssen
„Gott loben, weil er uns einen solchen Ueberfluß geschenkt hat.
„Jeder gebe Almosen, und reiche den Armen Speise." Da der
Kricg wider die Hunnen bevorstand, wurden zu Lorch, wie Karl
der Große erzahlt, Litaneyen gehalten.
In spätern Zeiten wurden der Bittgänge immer mehrere eiu:
geführt, und auch manchmal ohne kirchliche Einwilligung solche
gehalten. Dabei hat sich aber auch der Geist der Buße und der
wahren Andacht verloren. Die Bittgänge wurden oft sehr weit
geführt, und da war es nicht zu vermeiden, daß Viele in der
Andacht, die zu lange dauerte, ermüdeten, manche in den frem-
den Orten zurückblicben, sich in die Wirthshäuser, oder da
und dort zum Essen und Trinken zerstreuten. Es ereigneten
sich nicht sclten grobe Unordnungen, durch welche große Aerger-
nisse erfolgten. Dieses veranlaßte die Kirche, alle anderen Pro-
zessionen abzustellen, und nur die in den drei Tagen vor dem
Feste der Himmelfahrt des Herrn, und an dem Gedächtnißtage
des heiligen Markus allgemein beizubehalten; und auch in An-
sehung dieser ist die Verfügung getroffen, daß sie nicht über eine
Stunde weit geführt werden sollen. Man soll nichts zum Essen
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen