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116 Von den in der katholischen Kirche eingeführten Bittgängen.
„dem Leib zu dem Herrn, nicht aber von Kappadocicn in's gelobte
„Land reisen. — Der Geist bläst, wo er wil l, und es werden
„auch diejenigen, welche hier glauben, der Gnadenbezeugung theil-
„hastig. Es kommt auf einen lebendigen Glauben, und nicht auf
„eine Reise nach Jerusalem an."
Diese Gedanken des Kirchenvaters verdienen desto mehr unsere
ernste Behcrzigung, da er nicht von untergeordneten Wallfahrten
zu den Gräbern von Märtyrern oder Heiligenbildern redet, deren
Gegenstand oft sehr zweifelhaft, und auch da, wo er erwiesen
seyn mag, nicht zu vergleichen ist mit dem Andenken an den, der
allein heilig ist. Mißbrauche, vor denen jeder erleuchtete Katholik
erschaudert, waren zur Zeit des heil. Gregors noch unbekannt.
Man sah Wallfahrten noch nicht als Quellen des Erwerbs für die
Orte an, zu denen gewallfahrtet ward; und man müßte den Geist
jener Zeit ganz verkennen, wenn man glaubte, daß damals irgend
einer durch bloße müßige Reise die Schuld eines frevelnden Lebens
von sich abwälzen zu können gewähnt hätte. Solchen frevelnden
Wahn hat die Kirche nie gebilliget; ihr Geist war ihm immer zu-
wider; daß aber ihre entarteten Diener ihn oft aus niedrigen Trie-
ben gehcget haben, darf die aufrichtige Geschichte nicht läugncn.
In langer Zeit haben Heilige dagegen geeifert, in langer Zeit
haben Aberglauben und Geiz das Aergerniß befördert.
Der heil. Hicronymus gibt im Jahre 395 dem Paulinus,
welcher ihn um das Wallfahrten um Rath gefragt hatte, die An-
weisung: „Es verdient kein Lob, daß man zu Jerusalem gewesen.
„Das ist lobenswürdig, daß man zu Jerusalem gut gelebt yat.
„Man muß nicht nach derjenigen Stadt, welche die Propheten
„getödtet und das Blut des Messias vergossen hat, sich sehnen,
„sie nicht loben. Unsere Wünsche sollen sich nach derjenigen rich-
„ ten, welche der ungestüme Strom erfreuet, welche auf dem Berge
„liegt und nicht verborgen seyn kann, welche der Apostel die
„Mutter der Heiligen nennet. Er freuet sich, daß er darin mit
„ den Gerechten das Bürgerrecht hat. Gottes Allmacht ist nicht
„ in enge Grenzen eingeschlossen, und derjenige, welchen der Him:
„mel nicht fasset, ist nicht in einem kleinen Raum der Erde ein-
„geschränket. Die Gläubigen werden nicht nach der Verschieden-
„heit des Ortes, sondern nach dem Werthe ihres Glaubens abge-
„wogen. Die wahren Verehrer Gottes bethen den Vater weder
z,zu Jerusalem, noch auf dem Berge Garizim an; Gott ist ja
„ein Geist, und seine Verehrer müssen ihn im Geiste und mit
„Wahrheit anbechcn!"
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen