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l20 Von dem Gebrauche und der Verehrung der Bilder
1) Die Gotteshäuser auf eine erbauliche Weise zu zieren,
2) die wichtigsten Gegenstände der heil. Religion und merk-
würdige Begebenheiten aus der Geschichte derselben, insbesondere
das große Geheimniß der Erlösung durch den Tod Jesu am Kreuze,
den Gläubigen in lebhafte Erinnerung zu bringen. „Die Bilder
„sollen den Kindern und Ungelehrtcn dazu dienen, daß sie in den-
„selben das vorgestellt sehen, was sie in den Büchern nicht lesen
„können," sagt der heilige Gregor.
Das Andenken tugendhafter und frommer Personen, welche
der christlichen Kirche Ehre machten, um dieselbe große Verdienste
hatten, und im Wohlgcruche der Heiligkeit als Vorsteher, Lehrer,
Büßer, Wunderthäter u. s. w. in dem Herrn selig entschliefen, oder
in der Verfolgung als Blutzeugen Jesu standhaft ihr Leben ließen,
zu erhalten, und dadurch die Gläubigen zur eifrigen Nachahmung
zu entflammen. Da unter den Heiligen der seligsten Jungfrau Ma-
ria die höchste Verehrung gebührt, so wurden auch ihre Abbildun-
gen von jeher vor allen andern Heiligenbildern ausgezeichnet.
Wer darf behaupten, daß die Aufstellung und der Gebrauch
der geistlichen Bilder in dieser Absicht und zu diesem Zwecke nicht
ein sehr passendes Mittel zur Erbauung der Gläubigen, und deß-
halb nicht sehr weislich von erleuchteten und frommen Männern be-
fördert, und von der katholischen Kirche gebilliget worden sey?
Von den ältesten Zeiten her wurde den geistlichen Bildern von
den Gläubigen Verehrung bewiesen, d. h. man unterschied sie von
Bildern, welche weltliche Gegenstände vorstellten, man schätzte sie
hoher als diese, und bewies ihnen auch gewisse äußere Ehrenbezei-
gungen. Diese Verehrung soll jedoch nach dem Geiste der heiligen
Kirche, und nach der ausdrücklichen Lehre derselben, nicht so fast
auf das Bild, als vielmehr auf den abgebildeten Gegenstand zielen.
Die Ehre also, welche man den Kreuzen, Bildern und Statuen er-
zeigt, bezieht sich immer auf jene, die dadurch vorgestellt werden.
Der heil. Ambrosius sagt: „Wenn man sich vor einem Kreuze nie-
„ Verwirft, bethet man nicht das Holz an, sondern Jesum Christum,
„der am Kreuze, um uns zu retten, gestorben ist. Nicht einmal
„das wahre Kreuz, an welches Jesus geschlagen worden ist, bethet
„man an. Gott allein soll angebethet werden." Wenn die Kirche
am Charfreitag singt: „ D e i n Kreuz bethen wir an, o
„ H e e r ! " so heißt das: Wir werfen uns nieder vor dem Kreuze,
um Jesum Christum, der für uns an demselben gestorben ist, an-
zubethen.
Haben also die Bilder und Statuen keine innerliche, keine
übernatürliche Kraft? — Nein! — Auch die nicht, welche man
Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes, Volume 2
- Title
- Legenden der Heiligen auf alle Tage des Jahres
- Subtitle
- Die Herrlichkeit der katholischen Kirche, dargestellt in den Lebensbeschriebungen der Heiligen Gottes
- Volume
- 2
- Author
- Anton Mätzler
- Publisher
- Landshut Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 1840
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 9.8 x 16.9 cm
- Pages
- 982
- Keywords
- Kirche, Gott, Glaube, Religion
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen